Druckschrift 
Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
495
Einzelbild herunterladen
 

10. Kapitel. Der Geldbedarf. § 3.

495

zu beschaffen suchen, ist die Größe des Betrags der jeweils in Um-lauf gesetzten Wechsel ein ziemlich zuverlässiges Symptom für dieseBewegungen' des Geldbedarfs. Während der letzten großen Auf-schwungsperiode ist in der Tat der Betrag der in Deutschland in Um-lauf gelangten Wechsel enorm gestiegen 1 ); er betrug im Jahre 1894rund 14,7 Milliarden Mark, 1900 dagegen bereits 23,3 Milliarden Mark;1902 stellte er sich auf 21.5 Milliarden Mark und erreichte im Jahre1907 30,7 Milliarden Mark.

Freilich pflegen solche Zeiten nicht nur eine Steigerung des Geld-wertes der zu bewältigenden Übertragungen zu bringen, sonderngleichzeitig auch eine Steigerung der Intensität der Ausnutzung desvorhandenen Geldbestandes. Von der mehr oder weniger proble-matischen Steigerung der Umlaufsgeschwindigkeit des zirkulierendenGeldes soll hier abgesehen werden; es sei nur auf die feststehendeErscheinung hingewiesen, daß unter dem Drucke des steigenden Geld-bedarfs die großen Barreserven der Volkswirtschaft, die in den Kellernder Banken liegen, dadurch eine Verminderung erfahren, daß seitensdieser Institute größere Barbeträge als sonst dem Verkehr im Wegeder Wechseldiskontierung usw. zur Verfügung gestellt werden, währendandrerseits auf Grund der schmaleren Bargeldbasis ein größerer Be-trag von Zahlungsausgleichungen als in normalen Zeiten bewirkt wird.Bei der näheren Betrachtung der gewaltigen Steigerung, welche dieGiroguthaben der Reichsbank im Laufe des ersten Vierteljahrhundertsihres Bestehens erfahren haben, drangt sich die Wahrnehmung auf,daß die Zunahme der Guthaben in der Hauptsache auf die Periodeneines stockenden Geschäftsganges entfiel, während die Jahre eineswirtschaftlichen Aufschwungs meist einen Stillstand oder gar einenRückschlag brachten; vor allem aber beobachten wir, daß der durch-schnittliche Umsatz der Giroguthaben in den Jahren lebhafter Ge-schäftstätigkeit ein viel höherer war, als in Perioden der geschäft-lichen Depression. Auf je eine Mark des durchschnittlichen Bestandesder privaten Giroguthaben bei der Reichsbank (einschließlich derschwebenden Übertragungen") kam ein Umsatz von 274 Mark inden Jahren 1894 und 1895; dieser Umsatz hat sich während derfolgenden Aufschwungsperiode bis auf 399 Mark im Jahre 1899 und405 Mark im Jahre 1900 gesteigert, während gleichzeitig die durch-schnittliche metallische Deckung der sämtlichen täglich fälligen Ver-bindlichkeiten von etwa 63 Prozent auf etwa 49,5 Prozent herabge-gangen ist; im Jahre 1907 kam auf je eine Mark des durchschnitt-lichen Bestandes des Giroguthabens ein Umsatz von 516.4 Mark bei einermetallischen Deckung der täglich fälligen Verbindlichkeiten von nur

1) Vgl. die interessanten Tabellen in der DenkschriftDie Reichsbank"S. 36363, und in der Volkswirtschaftlichen Chronik. 1909. S. 1008.