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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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10. Kapitel. Der Geldbedarf. § 3.

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Möglichkeit, sich die Barmittel für die jeweils erforderlich werdendenZahlungen im Wege des Kredits zu beschaffen, in Frage gestellt; siesind infolgedessen genötigt, beträchtlich größere Barbestände als innormalen Zeiten zu halten. Die ausgeliehenen Gelder werden,, soweitsie täglich fällige Verbindlichkeiten darstellen oder gekündigt, werdenkönnen, in großem Umfange zurückgezogen, auch wenn der Gläubigerkeine augenblickliche Verwendung für diese Gelder hat. Dadurchwerden einerseits große Beträge von Bargeld brach gelegt, währendandrerseits der außerordentliche Umfang der Zurückziehung von dar-geliehenem Geldkapital den Bedarf an Zahlungsmitteln in ungewöhn-lichem Maße anschwellen läßt. Soweit sich die Zurückziehung vonGeldern auf Depositen bezieht, die einem Bankinstitute als Grund-lage für die Kassenführung übertragen worden waren, macht sie sichin der Weise fühlbar, daß die Bargeld ersparende Wirkung der Kon-zentration der Kassenführung im Wege des Scheck-, Giro- und Ab-rechnungsverkehrs zu einem großen Teile beseitigt wird, und daßferner die betroffenen Bankinstitute sich ihrerseits genötigt sehen, zurLeistung der von ihnen geforderten Rückzahlungen ausgeliehene Gelderzurückzuziehen, sich in ihrer Gewährung von Krediten Zurückhaltungaufzuerlegen und darüber hinaus selbst mit einer starken Nachfragenach Geld an den Markt heranzutreten. Dazu kommt, daß die innormalen Zeiten den Geldbedarf einschränkende Verwendung vonKreditpapieren, wie namentlich von Wechseln und Schecks, zur Ver-mittelung von Übertragungen gleichfalls zu einem großen Teile inWegfall kommt, da infolge des allgemeinen Mißtrauens die Zahlungs-leistung in solchen Papieren auf viel größere Schwierigkeiten stößtals in Zeiten des ungestörten geschäftlichen Vertrauens. Das Ver-sagen des Kredits und der auf dem Kredit beruhenden Zahlungsmittelund Zahlungseinrichtungen bewirkt mithin in kritischen Zeiten eineakute und enorme Steigerung des Bedarfs an Bargeld, die ganz undgar aus dem Kähmen der normalen Gestaltung des Geldbedarfs heraus-fällt.

Ebenso, wie wir innerhalb der großen mit der Gesamtentwicklungder Volkswirtschaften zusammenhängenden, sich über Jahrzehnte undvielleicht über Jahrhunderte erstreckenden Bewegungen des Geld-bedarfs die durch den Wechsel der Konjunkturen hervorgerufenenperiodischen Schwankungen des Geldbedarfs beobachtet haben, ebensolassen sich innerhalb der durch einen guten Geschäftsgang bewirktenAufwärtsbewegungen und der durch eine geschäftliche Depressionbewirkten Abwärtsbewegungen des Geldbedarfs gewisse Schwingungenteststellen, die sich innerhalb der einzelnen Jahre mit großer Regel-mäßigkeit wiederholen, und die man als die Jahreskurven des Geld-bedarfs bezeichnen kann. Diese Bewegungen treten deutlich hervor

Hblffhrich, Das Geld. . 32

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