Druckschrift 
Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
506
Einzelbild herunterladen
 

HHflK^SHvIHH^^MRGH^HHMHflHHHMHB^H

506 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

Verpflichtungen, die aus dem Stande der gegenseitigen Kreditgewährungder einzelnen Länder oder aus dem Betriebe von Unternehmungenim Auslande oder schließlich aus dem Betriebe internationaler Ver-mittelungsgeschäfte irgend welcher Art hervorgehen, sind Bestimmungs-gründe für die internationalen Edelmetallbewegungen, die mit demGeldbedarfe der einzelnen Länder an sich nichts zu tun haben.

Dagegen liegt offenbar eine unmittelbare Beziehung zu dem Geld-bedarfe vor bei denjenigen Modifikationen, welche die Edelmetallbe-wegungen durch den internationalen Leihverkehr in Geld erfahren.Wie der Bedarf an "Waren in der Höhe des Preises zum Ausdruckkommt und durch diese Einwirkung auf den Preis die Versendung derWaren beeinflußt, ebenso äußert sieh der Bedarf an Kapital in derHöhe des Zinsfußes und beeinflußt dadurca die Bewegungen des inter-nationalen Kapital Verkehrs. Nun muß man sich freilich hüten, denBedarf an Kapital und den Bedarf an Geld für gleichbedeutend zuhalten und anzunehmen, daß die großen internationalen Kapital Über-tragungen, wie sie etwa durch die Aufnahme von Anleihen kapital-bedürftiger Staaten in kapitalreichen Ländern veranlaßt werden, aus-schließlich oder auch nur zu einem sehr beträchtlichen Teile in Gelderfolgten. Wenn z. B. ein Staat wie Indien in England eine Anleihezum Zwecke des Baues von Eisenbahnen aufnimmt, so wird er denWert der Anleihe zu einem großen Teile nicht effektiv in Edelmetalloder Geld, sondern in Schienen und anderen Materialien empfangen,also in denjenigen Kapital darstellenden Gütern, auf welche sich seineigentlicher Bedarf richtet, und zu deren Beschaffung das auf die An-leihe eingezahlte Geld lediglich ein Mittel ist. Freilich kann sich derBedarf, der zur Aufnahme von Anleihen im Auslande führt, auch iufKapital in Geldform richten; das war z. B. in der ausgesprochenstenWeise der Fall bei den großen Anleihen, die im Laufe der letztenJahrzehnte von Italien , Österreich-Ungarn, Bußland und anderenLändern aufgenommen worden sind, um eine Papierwährung wiederdurch eine metallische Währung zu ersetzen.

Was für die ausländischen Anleihen des Staates gilt, bei denenGrund und Zweck meist ohne weiteres klar liegen, gilt in derselbenWeise für den nach Grund und Zweck sehr viel weniger übersicht-lichen internationalen Kapitalverkehr, der aus den Kapitalbedürfnissender Einzelwirtschaften innerhalb einer jeden Volkswirtschaft resultiert,Der Kapitalbedarf einer jeden einzelnen Unternehmung richtet sich,ebenso wie der Kapitalbedarf des Staates selbst, auf bestimmte Er-scheinungsformen des Kapitals, von denen das Geld nur eine unterTausenden ist; soweit die Summe dieser Kapitalnachfrage im Inlandekeine Deckung findet und sich deshalb an das Ausland wendet, mußes ganz von der besonderen Art des die inländischen Mittel über-