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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
508
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508 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

und ob wirklich jede, Einwirkung des Geldbedarfs auf die übrigenFaktoren, welche die Edelmetallbewegungen beeinflussen, ausgeschlossenist. Der ursprünglichen Theorie, nach welcher die Zu- und Abflüssevon Edelmetall lediglich als die notwendige und selbstverständlicheWirkung der Gestaltung der Handelsbilanz anzusehen waren, ist schonvon David Hiime die These gegenübergestellt worden, daß die Ver-sendung von Geld von Land zu Land, ebenso wie die Versendungaller anderen Waren, im letzten Grunde durch die Unterschiede desBedarfs an Geld bestimmt werde. AVenn ein Land infolge einerungünstigen Hanbelsbilanz erhebliche Mengen von Geld an enfanderesLand abgeben müsse, so sei unter sonst gleichen Umständen die Folge,daß das erstere Land Mangel, das letztere Überfluß an Geld habe.Diese Verschiedenheit in der Deckung des Geldbedarfs müsse sichäußern in dem Werte des Geldes gegenüber den anderen Gütern: indem Lande mit dem verringerten Geldumlaufe steigt der Wert desGeldes gegenüber den Waren, in dem anderen Lande sinkt der Wertdes Geldes gegenüber den Waren; oder mit anderen Worten aus-gedrückt im ersteren Lande sinken die Geldpreise der Waren, imletzteren Lande steigen sie. Diese Verschiebung im Preisniveau derbeiden Länder bewirkt einen Umschwung in der Gestaltung ihrerHandelsbilanz: während bisher das erstere Land mehr Waren ein-als ausgeführt und gerade deshalb Geld an das Ausland verloren hat,wird jetzt, bei den niedrigeren Preisen im Inlande und den höherenPreisen im Auslande, die Einfuhr von Waren erschwert und die Aus-fuhr befördert; kurz, die bisher ungünstige Handelsbilanz wird in-folge des durch sie verursachten Geldabflusses und Geldmangels undinfolge der Wirkung dieser Vorgänge auf die Warenpreise aufautomatischem Wege wieder günstig, und an die Stelle des Geld-abflusses tritt ein Geldzufluß.

Diese Theorie, die an Stelle des einseitigen Verhältnisses vonHandelsbilanz und Edelmetallbewegungen, wie es die Merkantilistenkonstruiert hatten, ein Wechselwirkungsverhältnis annimmt, greiftbereits weit hinüber in die Fragen der Bestimmungsgrüude und derWirkungen der Geldwertänderungen. Die Unterlagen dieser Theoriewerden deshalb später genauer zu prüfen sein. Hier genüge die all-gemeine Erwägung, daß es bei näherem Zusehen durchaus natürlicherscheinen muß, daß die Verteilung der wichtigsten Geldstoffe über dieeinzelnen Länder denselben Einflüssen unterliegt, wie die Verteilungder übrigen Güter; und diese Einflüsse sind die Stärke des Bedarfsauf der einen Seite, der Grad der Verfügung über Mittel des Erwerbs(Kaufkraft) auf der anderen Seite. Ein jeder Einzelne und ebenso einjedes Land kann auf Grund seiner gesamten wirtschaftlichen Kraftseine verschiedenen Bedürfnisse bis auf einen gewissen Sättigungspunkt