11. Kapitel. Die Geldversorgung. § 3.
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decken, in der "Weise, daß die verfügbaren Mittel stets für die Be-friedigung des dringenderen Bedürfnisses zunächst Verwendung finden.Es ist nicht einzusehen, warum das Geld außerhalb dieses Kreisesstehen soll, und warum ein Land, das im Wege der eigenen Pro-duktion und des auswärtigen Handels alle anderen Bedürfnisse bis zueinem gewissen Sättigungspunkte zu decken vermag, nicht auch seinenBedarf an Zirkulationsmitteln bis zu demselben Grade sollte, deckenoder einen seinen Bedürfnissen entsprechenden Geldumlauf sollte fest-halten können.
Wenn freilich die gesamte wirtschaftliche Kraft eines Landeszurückgeht, wenn durch einen Zerfall seiner Produktivität der Gradder Bedürfnisbefriedigung beeinträchtigt wird, dann wird es auch seinBedürfnis nach Zirkulationsmitteln nicht mehr ebenso reichlich wiebisher zu decken vermögen. Die Tatsache, daß es Ländern mit zer-rütteten wirtschaftlichen und finanziellen Verhältnissen schwer wird,,einen geordneten metallischen Geldumlauf aufrecht zu erhalten, wider-spricht mithin nicht der Auffassung, daß auch die internationalenBewegungen der Geldmetalle durch den auf sie gerichteten Bedarf unddie Zahlungsfähigkeit der Nachfrage der einzelnen Länder beeinflußtwerden. Freilich ist gerade in bezug auf die Deckung des Geldbedarfsein besonderer Punkt mit in Betracht zu ziehen. Bei ungenügenderDeckung des Bedarfs kann kein Gut leichter durch Surrogate ersetztwerden als das metallische Geld; an die Stelle des metallischen Geldeskönnen Papierscheine, gesetzt werden, während die Güter, die zur Be-friedigung von Nahrung, Kleidung, Wohnung und anderen Bedürfnissendienen, nicht in einer gleich einfachen und nahezu kostenlosen Weisedurch stofflich wertlose Dinge ersetzt werden können. Alle die Störungen,die sich aus einer ungenügenden Deckung des Bedarfs an Zirku-lationsmitteln ergeben, drängen die maßgebenden Instanzen, sei es diestaatliche Finanzverwaltung oder eine mit dem Recht der Notenaus-gabe ausgestattete Bank, nahezu unwiderstehlich dazu, dem Geldbe-darfe durch eine stärkere Ausgabe papierner Geldzeichen entgegenzu-kommen. Dadurch wird natürlich die von Hujie dargestellte Reaktioneines ungenügend gedeckten Geldbedarfs auf die Handelsbilanz und dieEdelmetallbewegungen ganz oder teilweise ausgeschaltet; die Spannungzwischen Geldbedarf und Geldumlauf, die an sich die internationalenEdelmetallbewegungen zu beeinflussen geeignet wäre, ist durch diePapiergeldemission beseitigt. Die Tatsache, daß Länder, die im Falleeiner Knappheit an Zirkulationsmitteln zum Auskunftsmittel der Papier-geldausgabe greifen, kein Metallgeld an sich ziehen, beweist mithinnichts gegen die Theorie, daß der Geldbedarf, falls ihm auf diese Weisenicht genügt wird, die Tendenz hat, sich durch die Beeinflussung derinternationalen • Edelmetallbewegungen Befriedigung zu schaffen.