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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
510
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510 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldvorsorgung und Geldwert.

Ihre völlige Klarstellung können diese Verhältnisse, wie gesagt,erst auf Grund der noch zu erörternden Theorie des Geldwertes er-halten. An dieser Stelle sei zur Erhärtung der Ansicht, daß sich dasMetallgeld auf die einzelnen Länder im allgemeinen nach Maßgabe desGeldbedarfs, der sowohl den Zinssatz für kurzfristigen Kredit als auchdie Gestaltung des Außenhandels beeinflußt, zu verteilen strebt, auf daswichtigste Beispiel einer durch äußere Verhältnisse herbeigeführtenStörung der internationalen Zirkulationsverhältnisse, nämlich auf diefranzösische Kriegskostenentschädigung und die darauf folgende Reak-tion, hingewiesen.

Die Übertragung der 5 Milliarden Franken an Deutschland fandbekanntlich nur zu einem kleinen Teile unmittelbar in Metallgeldstatt.') Abgesehen von geringen Beträgen in deutschen und englischenGoldmünzen wurden etwa 273 Millionen Franken = 220 MillionenMark in französischen Goldmünzen gezahlt; an deutschen Silberraünzengingen etwa 24 Millionen Mark ein, an französischen Silbermünzenetwa 270 Millionen Mark. Der weitaus größte Teil der von Frank-reich gegebenen Zahlungsmittel bestand in Wechseln und Bankan-weisungen auf deutsche Plätze (zusammen für etwa 2400 MillionenMark), ferner aus Wechseln auf England (für mehr als 500 MillionenMajik), auf Holland (für etwa 200 Millionen Mark) und Belgien (füretwa 116 !/2 Millionen Mark). Davon wurden namentlich die Wechselauf England vorwiegend zum Ankaufe von Gold auf dem Lon-doner Edelmetallmarkte verwendet. Im ganzen hat die Reichsregierungin den Jahren 1871 bis 1873 aus der französischen Kriegskostenent-schädigung für etwa 1040 Millionen Mark Gold teilweise unmittelbarerhalten, teilweise aus den nicht in Gold bestehenden Eingängen be-schafft. Für den weitaus größeren Teil der Milliarden hat Deutsch-land den Gegenwert in Wertpapieren und Waren empfangen. Diefranzösischen Banken haben große Beträge von österreichischen,italienischen und anderen fremden Wertpapieren durch Vermittelungdeutscher Banken an das deutsche Publikum abgestoßen, das infolgeder Zurückzahlung erheblicher Beträge von deutschen Staatsanleihenimstande war, diese Werte aufzunehmen; sie haben gegen diese Ver-käufe die großen Beträge von Wechseln auf deutsche Plätze ziehenkönnen, die sie der französischen Regierung als Einzahlung auf diegewaltigen Anleihen zur Verfügung stellten, und welche die französischeRegierung als Zahlungsmittel auf die Kontribution an die deutscheRegierung weiter gab. In welchem Umfange der Gegenwert für dievon Frankreich in Zahlung gegebenen Wechsel und Anweisungen in

l) Vgl. zum folgenden meineReform des deutschen Geldwesens nach derGründung des Reiches", Bd. IL S. 236 ff.; siehe auch oben S. 4S9.