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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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11. Kapitel. Der Geldwert. § t.

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sichtlich der Wertmaßfunktion des Geldes wie die Argumentation vonKnies stehender, sehr geistreicher Versuch einer Widerlegung derKNiESSchen Folgerung zu erwähnen. In seinerPhilosophie des Geldes"führt Simmel folgendes aus. 1 )

Es sei allerdings richtig, daß man die Quanten zweier verschie-dener Objekte nur vergleichen könne, wenn sie von einer und der-selben Qualität seien; wo also das Messen nur durch unmittelbareGleichung zwischen zwei Quanten geschehen könne, da setze es inder Tat Qualitätsgleichheit voraus. Aber neben dieser unmittelbarenVergleichung sei noch eine zweite Art des Messens möglich. Wo eineÄnderung, eine Differenz oder das Verhältnis je zweier Quanten ge-messen werden solle, da genüge es, daß die Proportionen dermessenden Substanzen sich in denen der gemessenen spiegelten, umdiese völlig zu bestimmen, ohne daß zwischen den Substanzen selbstirgend eine Wesensgleichheit zu bestehen brauche.

Simmel erläutert seine Auffassung durch den Hinweis darauf, daßman zwar die Kraft des Windes, der einen ßaumzweig bricht, mit derHand, die dasselbe tut, nur insofern vergleichen könne, als diese Kraftin beiden qualitativ gleich vorhanden sei. Aber man könne die Kraftdes Windes auch an der Dicke des Zweiges messen, den er geknickthat. Zwar drücke der geknickte Zweig nicht an und für sich schondas Energiequantum des Windes in demselben Sinne aus, wie derKraftaufwand der Hand es ausdrücken möge; allein das Stärkever-hältnis zwischen zwei Windstößen und damit die relative Stärke deseinzelnen sei wohl daran zu messen, daß der eine einen Zweig zer-brochen habe, den der andere noch nicht habe verletzen können. Ganzentscheidend erscheint Simmel das folgende Beispiel:

Die ungleichartigsten Objekte, die wir überhaupt kennen, diePole des Weltbildes, die aufeinander zu reduzieren weder der Meta-physik noch der Naturwissenschaft gelungen ist sind materielleBewegungen und Bewußtseinserscheinungen. Die reine Extensität dereinen, die reine Intensität der anderen haben bisher keinen Punktentdecken lassen, der allgemein überzeugend als ihre Einheit gälte.Dennoch kann der Psychophysiker nach den Änderungen der äußerenBewegungen, die als Reize unsere Sinnesapparate treffen, die relativenStärkeänderungen der bewußten Empfindungen messen."

Indem also zwischen den Quanten des einen und denen des anderenFaktors ein konstantes Verhältnis bestehe, bestimmten die Größendes einen die relativen Größen des anderen, ohne daß irgend einequalitative Beziehung oder Gleichheit zwischen ihnen zu bestehenbrauche. Damit sei das logische Prinzip durchbrochen, das die Fähig-

1)Philosophie des Geldes". 2. Aufl. S. 101 ff.