Druckschrift 
Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
528
Einzelbild herunterladen
 

528 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf. Geldversorgung und Geldwert.

keit des Geldes, Werte zu messen, von der Tatsache seines eigenenWertes abhängig zu machen scheine.

Ohne uns zunächst von dem KNiES-SiMMELSchen Boden zu ent-fernen, lassen wir auf die Kritik die Gegenkritik folgen.

Wir haben in der Tat zwischen zwei verschiedenen Arten derMessung zu unterscheiden. Bei den ersten wird das zu messendeObjekt unmittelbar mit dem messenden Objekte verglichen, und hier istArtgleichheit zwischen beiden Objekten unbedingt erforderlich. Diezweite Art ist komplizierter. Es gibt Größen, deren unmittelbareMessung mit gleichen Größen nicht möglich ist, weil sie nicht un-mittelbar neben einander gestellt und unmittelbar verglichen werdenkönnen. Das gilt von allen abstrakten Größen, von der Stärke desWindes und der Stärke der bewußten Empfindungen ebenso, wie etwavon der Wärme und von der Zeit; unmittelbarer Vergleichung zu-gänglich sind eigentlich nur die Größen der körperlichen Ausdehnung.Infolgedessen sind wir genötigt, bei den meisten Messungen, d. h. Fest-stellungen des quantitativen Verhältnisses zweier qualitativ gleichenSubstanzen oder Kräfte, uns eines Zwischengliedes zu bedienen, indemwir zwischen den beiden zu vergleichenden, aber nicht unmittelbar aneinander meßbaren Größen einerseits und den unmittelbar mit einandervergleichbaren räumlichen Größen und Vorgängen andrerseits einekonstante Beziehung feststellen. So messen wir die Zeit an Bewegungs-vorgängen im Räume, und zwar in allen Methoden, ob man die Ver-änderungen des Standes der Sonne unmittelbar beobachtet, ob mansich einer Sonnenuhr, einer Sanduhr oder eines Uhrwerkes, das denZeiger bewegt, bedient; so messen wir die Wärme an der verschiedenenräumlichen Erstreckung einer der Einwirkung der verschiedenenWärmequanten ausgesetzten Quecksilbersäule, das Gewichtsverhältniszweier Körper an der räumlichen Bewegung der Wagschalen; sokönnen wir ferner nach den SiMMELSchen Beispielen die verschiedeneStärke des Windes an der Dicke der Zweige messen, die er zu brechenvermag, und die verschiedene Stärke der bewußten Empfindungen anÄnderungen äußerer Bewegungen.

Knies hat nun offenbar insoweit Recht, als das gewollte End-ergebnis des MessungsVorgangs in allen Fällen, bei der unmittelbarenund bei der mittelbaren Vergleichung, das ist, daß die bisher unbe-kannte Quantität einer Gegebenheit irgend welcher Art ausgedrücktwird in einem bekannten oder als bekannt angenommenen Quantumeiner artgleichen Gegebenheit. Ebenso wie nach dem von Kniesgegebenen Beispiel ein Zeitquantum bei der Messung durch die Uhrausgedrückt wird in der Zeiteinheit, während welcher der Uhrzeigereinen bestimmten Weg auf dem Zifferblatt zurücklegt, ebenso wirdin den SiMMELSchen Beispielen die Stärke des Windes bei der Messung