12. Kapitel. Der Geldwert. § Ii
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durch die Dicke der Zweige im Endergebnis ausgedrückt in dem be-stimmten Energiequantum, das zum Knicken eines Zweiges von ge-gebener Dicke erforderlich ist, und die Stärke der bewußten Empfin-dungen bei der Messung durch Bewegungsvorgänge durch eine andereEmpfindungsstärke, die einen bestimmten Bewegungsvorgang zur Vor-aussetzung hat oder auslöst. Aber mit dieser Konstatierung, daß dasEndergebnis und der Sinn der Messung nur die Ermittelung einesquantitativen Verhältnisses zwischen artgleichen Größen sein kann, istSimmels Einwand noch nicht zurückgewiesen. Das „Meßwerkzeug"oder „Meßmittel", von dem Knies spricht, muß nur bei der Messungdurch unmittelbare Vergleichung die Qualität selbst besitzen, die esmessen soll: ein Meterstab muß Länge haben, ein Hohlmaß Rauminhalt;aber die Vorgänge im Raum und die räumlichen Größenverhältnisse,vermittelst welcher wir Zeit-,.Räume", wie wir bezeichnenderweisesagen, Wärmequanten, Energiequanten, Empfindungsstärken usw. messen,sind mit den zu messenden Größen nicht artgleich.
Die Anwendung dieser Ergebnisse auf das Geld würde nun aller-dings die Frage offen lassen, ob das Geld als Wertmesser im Wege derunmittelbaren Vergleichung funktioniert und infolgedessen notwendiger-weise selbst Wertqualität haben muß, oder ob es lediglich als mittel-bares Meßinstrument zur Vergleichung des Wertes der Waren dientund infolgedessen an und für sich die Wertqualität eutbehren könnte.
Simjiel erläutert die letztere Möglichkeit folgendermaßen.
Er nimmt ein ganz allgemeines, von ihm nicht näher definiertesVerhältnis zwischen Güterquantum und Geldquantum als gegeben an,ein Verhältnis, wie es sich in dem freilich oft verdeckten und anAusnahmen reichen Zusammenhange zwischen wachsendem Geldvorrateund steigenden Preisen, wachsendem Gütervorrate und sinkendenPreisen zeige. „Wir bilden danach, ,alle nähere Bestimmung vor-behalten, die Begriffe eines Gesamtwarenvorrates und eines Ge-samtgeldvorrates und eines Abhängigkeitsverhältnisses zwischenihnen. Jede einzelne Ware ist nun ein bestimmter Teil jenesverfügbaren Gesamtwarenquantums; nennen wir das letztere
a, so ist jene etwa — a; der Preis, den sie bedingt, ist der ent-sprechende Teil jenes Gesamtgeldquantums, sodaß er, wenn wir dieses1
b nennen, gleich — b ist. Kennten wir also diese Größen a und b,m
und wüßten wir, einen wie großen Teil der verkäuflichen Werteüberhaupt ein bestimmter Gegenstand ausmacht, so wüßten wir auchseinen Geldpreis und umgekehrt. Ganz unabhängig davon also, ob dasGeld und jenes wertvolle Objekt irgend eine qualitative Gleichheithaben, gleichgültig also dagegen, ob das erstere selbst ein
Helfferich, Das Geld. 34