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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
530
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530 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversr r^ung und Geldwert. ,

Wert ist oder nicht, kann die bestimmte Geldsumme den Wert desGegenstandes bestimmen oder messen" (a. a. 0. S. 104).

Es braucht dieser Vorstellung nicht in den Einzelheiten ihrerGrundlagen und Konsequenzen nachgegangen zu werden. 1 ) Der funda-mentale Fehler der ganzen Konstruktion, den Sjmmel selbst offenbargefühlt hat, ist aus dem bisher gesagten bereits mit hinreichenderKlarheit ersichtlich zu machen; .er liegt darin, daß die vorausgesetzteallgemeine Beziehung zwischen Gesamtgeldvorrat und Gesamtwaren-vorrat, soweit man eine solche Beziehung überhaupt zugeben will, nichtanders denkbar ist, denn als ein in einem möglichen Austausche realisier-bares Wertverhältnis. Simmel behauptet zwar, seine Konstruktionenthalte keineswegs den Zirkel, daß die Fähigkeit einer bestimmtenGeldsumme, den Wert einer einzelneu Ware zu messen, auf das

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Gleichungsverhältnis alles Geldes mit allen Waren gegründet werde,dieses selbst aber schon die Meßbarkeit des einen an dem anderenvoraussetze; denn eine Messung relativer Quanten sei eben schondaraufhin möglich, daß ihre absoluten Quanten in irgend einem Ver-hältnisse stehen, welches nicht Messung oder Gleichheit zu sein brauche.Welches Verhältnis außer dem der Wertgleichheit zwischen den Ge-samtquanten von Waren und Geld gedacht werden kann, darauf bleibtSimmel die Antwort schuldig. Wenn wir die Zeit an einem räumlichenVerhältnisse vermittelst eines Bewegungsvorganges messen, so ist dieBeziehung zwischen dem räumlichen Maßstabe und der zu messendenZeit darin gegeben, daß jede Bewegung ihrem Wesen nach den beidenKategorien Zeit und Raum gleichmäßig angehört. Wenn wir bewußteEmpfindungen an äußeren Bewegungsvorgängen messen, so liegt hierein seinem inneren Wesen nach freilich nicht aufgeklärtes, aberempirisch festgestelltes Verhältnis von Ursache und Wirkung vor,ebenso wie in den anderen Fällen, in denen die Stärke des Windes ander Dicke des Zweiges, den er zu brechen vermag, oder die Tempe-ratur an der Ausdehnungsveränderung einer Quecksilbersäule gemessen

1) Die Simmel sehe Hypothese scheitert z. B. schon an folgender Überlegung,auf die S. P. Altmann (Zur deutschen Geldlehre des 19. Jahrhunderts", in der Fest-gabe für Schmoller, 1908) in zutreffender Weise hingewiesen hat:

Der Ausdruckr a für den Wert der einzelnen Waren setzt voraus, daß der

Wert aller Waren auf einen gemeinschaftlichen Nenner gebracht ist; nur dadurchwürde eine Vergleichbarkeit von Ware und Gesamtwarenvorrat gegeben sein. Dergemeinsame Nenner ist aber nichts anderes als der Wertausdruck in Geld, wie erin den Warenpreisen zum Ausdruck kommt. Das Vorhandensein von Geldpreisenfür alle Waren ist also Voraussetzung, für die quantitative Vergleichbarkeit vonWare und Gesamtwarenmenge, während Simmel aus dem Verhältnis von Ware undGesamtwarenmenge den Geldpreis der Ware ermitteln will oder, wenigstens einesolche Ermittelung für theoretisch möglich hält.