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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
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12. Kapitel. Der Geldwert. § 1.

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wird. Welcher Art soll aber die Beziehung zwischen den Gesamt-quanten an Geld und an Waren sein, wenn wir nicht ein im Tauscherealisierbares Wertverhältnis annehmen wollen? Locke selbst, der dasGeld nur als ein Unterpfand von fiktivem Werte gelten lassen wollte,hat doch auf der anderen Seite, wie oben erwähnt wurde 1 ), den Satzaufgestellt, daß der Wert des Gesamtgeldquantums stets dem Wertedes gesamten Warenquantums gleich sein müsse, und er hat damit in-direkt das Erfordernis der Wertqualität für das Geld zugegeben.Solange nicht irgend eine andere vorstellbare Beziehung zwischen demGesamtgeldvorrate und dem Gesamtwarenvorrate nachgewiesen ist alsein Wertverhältnis, kommt man mithin auch in Verfolg derSiMMELSchen Gedankengänge zu dem Schlüsse, daß das Geld Wert-qualität besitzen muß.-)

Lassen wir nunmehr die Hypothesen, auf deren Grundlage sowohlKnies als auch Semmel argumentieren, fallen, daß nämlich die Warenein bestimmtes Tauschwertquantum * enthalten, und daß in dem Geldeein eigentliches Meßinstrument für dieses Tauschwertquantum gegebensei. Die Eückkehr zu einer realistischeren Betrachtungsweise wird dieFrage der Wesentlichkeit der Werteigenschaft für das Geld in einhelleres Licht setzen, als die mehr oder weniger gekünsteltenHypothesen und Konstruktionen. DerTauschwert" oderVerkehrs-wert" der Verkehrsobjekte ist, wie wir gesehen haben 3 ), lediglich eineAbstraktion aus der Tatsache, daß die Verkehrsobjekte in irgend-welchen quantitativen Verhältnissen gegeneinander umgesetzt werden.Der in der Einzelseele sich vollziehenden Bewertung der Dinge steht,wie oben ausgeführt wurde, als einzige objektive Tatsache, die einenAnhaltspunkt für den Begriff des Tauschwertes gibt, das Verhältnisgegenüber, in welchem verschiedenartige Verkehrsobjekte gegeneinanderumgesetzt werden. Aus der Tatsache des Umsatzes ünd des in ihmverwirklichten quantitativen Verhältnisses zwischen den umgesetztenObjekten leiten wir die Abstraktion her, daß jedes der beiden Objektemit einem bestimmten objektiven Wertquantum, das als Tauschwertbezeichnet wird, ausgestattet sei. Jedes der beiden Objekte findet denAusdruck oder wenn man so will das Maß seines Tauschwertes

1) Siehe oben S. 525.

2) Dr. Augtjst Koppel (Für und wider KarlMabx". Karlsruhe 1905. S. 85)verwechseltWertqualität" undSubstanzwett", wenn er aus den oben stehendenDarlegungen gefolgert hat, daß ich für das Geld einenSubstanzwert" fordere.Koppel hätte nur die im folgenden Paragraphen enthaltenen Ausführungen überSubstanzwert und Funktionswert des Geldes" zu lesen brauchen, um sich zuüberzeugen, daß ich den Begriff derWertqualität" erheblich weiter fasse alsdas, was man gemeinhinSubstanzwert" nennt

3) Vgl. oben S. 262 ff.

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