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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
532
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532 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

an dem als Gegenwert gegebenen Objekte, und sobald alle anderenVerkehrsobjekte fast ausschließlich gegen Geld ausgetauscht -werden,ist der in Geld bestehende Preis das allgemeine Maß, mithin das Geldselbst der allgemeine Maßstab der übrigen Verkehrsobjekte. DieWertmaßfunktion des Geldes ist folgerichtigerweise aus der Funktiondes Geldes als allgemeines Tauschmittel hergeleitet worden, und wennder Tauschwert nichts ist als eine Abstraktion aus der Tatsache desAusgetauschtwerdens, so muß dem Gelde in erster Linie aus seinerFunktion als Tauschmittel und damit indirekt aus seiner durch dieTauschmittelfunktion bedingten Wertmaßfunktion ebenso gut einTauschwert zugesprochen werden, wie allen anderen Verkehrsobjekten,die unter sich oder gegen Geld ausgetauscht werden.

Aber auch wenn wir von dem durch Abstraktion gewonnenenBegriffeTauschwert" absehen und auf das Urphänomen des Werteszurückgehen, kommen wir zu der Folgerung, daß dem Gelde dieWertqualität nicht abgesprochen werden kann. Wir halten uns anS imme L, der wie oben*) bereits zitiert hervorhebt, daß jedeDefinition und Deduktion des Wertes nur die Bedingungen kenntlichmacht, auf Grund welcher der Wert sich einstellt, ohne doch ausihnen hergestellt zu werden, und daß alle Beweise für den Werteines Objektes nichts bedeuten als die Nötigung, den für irgend einObjekt bereits vorausgesetzten Wert auch einem anderen Objekte zu-zuerkennen. Wenn wir für die Waren, die gegen Geld ausgetauschtwerden, einen Wert voraussetzen, welche stärkere Nötigung gibt es,diesen Wert auch dem Gelde zuzuerkennen, als die Tatsache des sichfortgesetzt vollziehenden Austausches zwischen Geld und Waren!Wenn der Wert in allen seinen Erscheinungsformen auf ein Urteildes Subjektes über die Bedeutung der Objekte der Außenwelt für dasSubjekt oder die menschliche Gemeinschaft zurückgeht, und das Sub-jekt sich entschließt, für eine Ware Geld in einem bestimmten Ver-hältnis zu geben oder zu nehmen, so bedeutet das nichts anderes, alsdaß das Geld ebensogut wie die Ware ein Objekt der Werturteileist oder Wertqualität besitzt und besitzen muß, um seine Aufgabeals allgemeines Tauschmittel zu erfüllen.

Gegen diese Folgerung ist nur der eine Einwand möglich, derbereits eingangs erwähnt wurde, daß nämlich im Austausche in demGelde nicht ein Ding an sich gegeben werde, sondern nur eine An-weisung, eine Repräsentation oder ein Symbol für andere Dinge, daßmithin bei einem Umsätze einer Ware gegen Geld eigentlich einUmsatz einer Ware gegen eine andere, für das gegebene Geld erhält-

1) S. 25S.

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