536 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
Werten veränderlichen und damit von allen übrigen Wertgegenständenunabhängigen Wert, der ausschließlich auf seiner Funktion als Geldberuhen kann. Wenn ferner bei einer Silberwährung mit gesperrterPrägung der Wert der Geldeinheit ein wesentlich höherer ist als derWert des der Geldeinheit zugrunde liegenden Silberquantums, sokann der höhere Wert des geprägten Geldes nur darauf beruhen,daß dieses die Geldfunktionen erfüllt, die durch das ungeprägte Metallnicht erfüllt werden können. Das Ergebnis dieser Wahrnehmungenläßt sich dahin formulieren: der Wert des Geldes muß nichtunbedingt ein „Substanzwert", sondern er kann einbloßer „Funktionswert tt sein.
Wenn durch die erwähnten Erscheinungen auf dem Gebiete desmodernen Geldwesens der tatsächliche Nachweis für die Möglichkeiteines von der stofflichen Grundlage unabhängigen Geldwertes erbrachtist, so wird eine theoretische Betrachtung des Verhältnisses von„Substanzwert" und „Funktionswert" ergeben, daß beide Arten vonWert in den gleichen allgemeinen Voraussetzungen, auf denen jederwirtschaftliche Wert beruht, ihre Wurzeln haben, und zwar so sehr,daß die anscheinende Antinomie zwischen Funktionswert und Sub-stanzwert sich vollkommen auflöst.
Schon bei der Besprechung der Wertmaßfunktion des Geldeswurde davon ausgegangen, daß der Wert keine den Dingen an sichanhaftende Eigenschaft, wie Ausdehnung, Härte, Farbe usw. ist, daßer vielmehr lediglich auf den Beziehungen beruht, die das mensch-liche Subjekt zur Außenwelt hat; der Wert der Dinge ist infolgedessen nichts, was durch das Sein der Dinge gegeben, in der Sub-stanz der Dinge enthalten wäre; die Bedingungen, auf denen der wirt-schaftliche Wert der Dinge beruht, haben wir vielmehr darin erkannt,daß die Dinge der Außenwelt einerseits Gegenstand eines mensch-lichen Bedürfnisses sind, während andrerseits ihrer Erlangung Hemm-nisse entgegenstehen, deren Überwindung mit Arbeit und Opfern ver-bunden ist. Gegenstand eines Bedürfnisses sind keineswegs nur die-jenigen Dinge, die unmittelbar der Befriedigung der menschlichenBedürfnisse dienen, sondern daneben auch alle diejenigen Dinge, welchemittelbar zur Herstellung und Beschaffung der eigentlichen Konsum-güter Verwendung finden. Nahrungsmittel und Kleidungsstücke,Schmuckgegenstände und Wohnräume stehen in diesem Punkte denWerkzeugen und Maschinen, den Rohstoffen und Hilfsstoffen, die derHerstellung der unmittelbaren Verbrauchsgüter dienen, ferner denTransportmitteln, die sowohl im Produktionsprozeß als auch zurUberführung der gebrauchsfertigen Produkte an den Ort des Konsumsbenutzt werden, vollständig gleich. Aber auch das Geld, das diewichtige Aufgabe hat, die Übertragungen von Gütern, Nutzungen und