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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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12. Kapitel. Der Geldwert. § 2.

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Leistungen von Person zu Person zu vermitteln, gehört in diese Reihe;indem es im Produktionsprozeß' die sachlichen Produktionsmittel undArbeitskräfte zusammenführt, indem es die fertigen Waren aus derHand der Produzenten zu den Verbrauchern leitet, dient es der Be-dürfnisbefriedigung in derselben Weise, wie alle anderen Arten vonMittelsgütern. Ein Unterschied liegt nur insofern vor, als die Konsum-güter, die eigentlichen Produktionsmittel und die Transportmittel, injeder Wirtschaftsverfassung Gegenstand eines Bedürfnisses sind, wäh-rend das Geld lediglich einem Bedürfnisse dient, das nur in unserer aufder freien Selbstbestimmung der Individuen, dem Privateigentum undder Arbeitsteilung beruhenden Wirtschaftsordnung gegeben ist. So-lange aber diese Wirtschaftsordnung besteht, teilt das Geld mit allenanderen wirtschaftlichen Gütern die eine Voraussetzung des wirtschaft-lichen Wertes, daß es Gegenstand eines Bedürfnisses ist. Andrerseitsteilen alle übrigen Güter mit dem Gelde die Eigenschaft, daß sieeinen Wert nicht durch ihr bloßes Sein, durch ihre bloße Substanzbesitzen, sondern nur dadurch, daß sie durch die Erfüllung bestimmterFunktionen" direkt oder indirekt die Befriedigung menschlicher Be-dürfnisse bewirken. Ja die Edelmetalle selbst leiten ihren Wert,sobald sie als Geld Verwendung finden, ebensowohl von ihrer Geld-funktion her, wie von ihrer Brauchbarkeit als Rohstoffe für Schmuck-gegenstände und Geräte. Genau betrachtet -ist mithin jederwirtschaftliche Wert'einFunktionswert", einenSubstanzwert" gibtes nicht. ')

Die zweite Voraussetzung des wirtschaftlichen Wertes, die mitArbeit und Opfern verbundene Beschaffung, ist beim Gelde ohne weiteresgegeben, falls der Geldstoff nur mit größerem Kostenaufwand produziertwerden kann, oder falls der Geldstoff sich einerseits durch natürlicheSeltenheit auszeichnet, während andrerseits sich eine erhebliche Nach-frage auch zu anderen als zu Geldzwecken auf ihn richtet. Das istbei dem Edelmetallgelde der Fall. Wenn aber das Geld aus einemStoffe hergestellt wird, der, wie das Papier, nahezu kostenlos pro-duziert werden kann, ist auch dann der zweiten Voraussetzung fürden wirtschaftlichen Wert genügt ? Wir müssen uns hier vergegen-wärtigen, daß die Schwierigkeit der Beschaffung keineswegs aus-schließlich in den Widerständen und der Kargheit der Natur zu be-.stehen braucht, die den Menschen die Mittel zu ihrer Bedürfnis-befriedigung nur gegen einen Aufwand von Arbeit und Opfern undnur in einem Umfange, der für die vollständige Befriedigung allerBedürfnisse nicht ausreicht, zur Verfügung stellt. Die Schwierigkeitder Beschaffung kann ihren Grund auch haben in der rechtlichen

1) Vgl. auch Semmel a. a. 0. S. 151.