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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
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12. Kapital. Der Geldwert § 3.

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wertlosen oder geringwertigen Stoffe hergestelltes Geld der Verkehrs-welt dasjenige Vertrauen einzuflößen vermag, das dem Gelde mit Sub-stanzwert eben wegen des Wertes seiner auch zu anderen Zweckenbrauchbaren Substanz entgegengebracht wird, so kann der Verkehr,wie zahlreiche historische Beispiele lehren, in den neu zu begründendenSchuldverhältnissen Leistungen vereinbaren, die der Einwirkungdes Staates entzogen sind, er kann sich auf diese Weise ein neuesGeld schaffen. Beispiele dafür sind die Rückkehr des Verkehrs zuEdelmetallbarren an Stelle der geprägten Münzen in Zeiten starkenMißbrauchs der staatlichen Münzhoheit und der Gebrauch aus-ländischen Metallgeldes in Staaten mit einem sieh stark entwertendenPapiergelde; wenn keine neuen Zahlungsverpflichtungen mehr in demstaatlichen Gelde eingegangen werden, dann muß allmählich dieGrundlage schwinden, auf der allein ein Geld ohneSubstanzwert"denkbar ist. 1 )

In dieser Beleuchtung erscheint auf Grund der neuesten Ent-wicklung des Geldwesens und der Geldtheorie das Wertproblem in derschon von Aristoteles aufgeworfenen Frage, ob das Geld^" odercpvoei" ist, ob es auf der durch das Gesetz geschaffenen oder der vonNatur gegebenen Ordnung der Dinge beruht.

§ 3. Die BestimmungsgrUnde des Geldwertes.

Wir haben im vorigen Paragraphen gesehen, daß der Wert desGeldes, einerlei ob er einSubstanzwert" oder ein bloßerFunktions-wert" ist, dieselben Voraussetzungen hat, wie jeder wirtschaftlicheWert überhaupt: die Fähigkeit, einem Bedürfnisse zu genügen, und dienur unter Opfern mögliche Beschaffung. Nach der Klarstellung diesesqualitativen Problems stellt sich nunmehr das quantitative Problemein, vulgär ausgedrückt, die Frage, wonach sich dieHöhe des Geld-wertes" bestimmt.

Auch bei der Erörterung dieses neuen Problems muß daran er-innert werden, daß wir in der Vorstellung, nach welcher die einzelnenGüter mit einem veränderlichen, aber meßbaren Quantum von Ver-kehrswert ausgestattet sind, lediglich eine Abstraktion aus der Tat-sache erblicken können, daß die einzelnen Verkehrsgüter gegeneinanderin quantitativen Verhältnissen, die fortgesetzten Veränderungen unter-liegen, ausgetauscht werden. Es kann nun aber überhaupt kein Aus-tausch zwischen zwei Verkehrsobjekten stattfinden, ohne daß dasquantitative Verhältnis, in welchem die beiden Objekte gegeneinanderumgesetzt werden, durch Faktoren bestimmt wird, die auf jeder der

1) Diese Bedingtheit der staatlichen Gewalt über das Geldwesen wird vonKnapp übersehen.