542 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
beiden Seiten wirksam sind. "Wenn 1 Rind gegen 8 Schafe gegebenwird, so kann dieses Austauschverhältnis nur das Ergebnis von Er-wägungen und Tatsachen sein, die sich sowohl auf das Rind als auchauf die Schafe beziehen. Der Grad der Nützlichkeit und die Stärkeder darauf beruhenden Nachfrage, die größere oder geringere Schwierig-keit der Beschaffung und damit die Stärke des Angebots bilden, indemsie bei beiden Tauschobjekten in verschiedenem Maße vorhanden sind,die Grundlage für das Verhältnis, in welchem sich der Austausch voll-zieht. Die Veränderungen jedoch, die in den Austauschverhältnissenirgendwelcher Verkehrsobjekte eintreten, können möglicherweise ihreUrsache auf der Seite nur eines der beiden Verkehrsobjekte haben,indem sich die für das Tauschverhältnis maßgebenden Bestimmungs-gründe nur hinsichtlich dieses einen Gutes ändern, während sie hin-sichtlich des anderen Gutes unverändert bleiben. Das alles gilt in An-betracht des Umstandes, daß der Wert des Geldes auf denselben Vor-aussetzungen beruht, wie der Wert aller anderen Verkehrsobjekte, fürdas zwischen Geld und den übrigen Verkehrsobjekten bestehende Aus-tauschverhältnis ebenso, wie für die Austauschverhältnisse der übrigenVerkehrsobjekte unter sich.
Das Problem der Höhe des Geldwertes und der Veränderungen der-selben umschließt mithin zwei ihrem Wesen nach verschiedene Fragen:
1. Die Frage nach den tatsächlich bestehenden Austauschver-hältnissen zwischen dem Gelde und den übrigen Verkehrsobjekten. — Daman die Umsätze von Geld gegen andere Verkehrsobjekte als „Kauf"und das in Geld bestehende Äquivalent als „Preis" bezeichnet, ist dieFrage nach der Höhe und den Veränderungen der „allgemeinen Kauf-kraft des Geldes" und des „allgemeinen Preisniveaus" mit dieser erstenSeite des Problems identisch. Die Aufgabe ist lediglich statistischerNatur, sie erstreckt sich auf die B'eststellung der tatsächlich be-stehenden Preise (im weitesten Sinne) und ihrer Verschiebungen.
2. Die Frage nach den auf der Seite des Geldes wirksamen Be-stimmungsgründen für die Verschiebungen des zwischen dem Geldeund den übrigen Verkehrsobjekten bestehenden Austauschverhält-nisses. — Die Frage ist analytischer Natur, sie geht über dieFeststellung tatsächlicher Verhältnisse hinaus, ihre Lösung erfordertdie Ergründung der Ursachen gewisser Tatsachen und Vorgänge desVerkehrs.
Man hat die erste Frage als das Problem des „äußeren Tausch-wertes", die zweite als das Problem des „inneren Tauschwertes" desGeldes bezeichnet. l ) Die Anwendung der letzteren Bezeichnung für
1) Vgl. Mengeb, Artikel „Geld" im Handwörterbuch der Staatswissenschaften-3. Aufl., IV. Bd. S. 588—593.