12. Kapitel. Der Geldwert. § 3.
543
die Frage nach den auf Seite des Geldes liegenden Bestimmungs-gründen des Austauschverhältnisses zwischen dem Gelde und denübrigen Objekten ist — "wie mau sich stets vor Augen halten muß —nur auf Grund der Vorstellung möglich, daß ein jedes von zwei Ver-kehrsobjekten, die in irgendwelchem quantitativen Verhältnisse gegen-einander umgesetzt werden, ein bestimmtes Quantum von Tauschwertumschließe. In diesem Tauschwertquantum, das absolut genommen über-haupt nicht vorstellbar ist, denkt man sich die auf dtr Seite desGeldes für das Austauschverhältnis wirksamen Bestimmungsgründegewissermaßen kondensiert. Aus Gründen der Einfachheit der Ter-minologie empfiehlt es sich in der Tat, die Wirkung der auf der Seitedes Geldes liegenden Bestimmungsgründe für die Austauschverhältnissezwischen dem Gelde und den übrigen Waren unter der Bezeichnung„innerer Tauschwert des Geldes" oder noch einfacher unter der Be-zeichnung „Geldwert" zusammenzufassen. Nur muß man sich dann dieBedeutung dieses Wortes stets vor Augen halten und jedes Durch-einanderwerfen dieses Begriffs mit den tatsächlichen Austauschverhält-nissen, in denen außer dem „Geldwert" auch der „innere Tausch-wert" der übrigen Verkehrsobjekte in Erscheinung tritt, vermeiden.— Im folgenden soll der „äußere Tauschwert des Geldes" im obendefinierten Sinne als „Kaufkraft" des Geldes oder „Verkehrswert" desGeldes der „innere Tauschwert des Geldes" schlechthin als „Geldwert"bezeichnet werden. 1 )
Wenn wir nach dieser Klarstellung des Problems und der Ter-minologie an die Frage nach den auf der Seite des Geldes wirksamenBestimmungsgründen für die Austauschverhältnisse herantreten, sobietet sich für die Lösung dieser Aufgabe kein anderer Anknüpfungs-punkt als die fundamentalen Tatsachen, welche die Voraussetzungeines jeden Wertes sind. Aber sofort machen wir die Beobachtung,daß zwischen den Voraussetzungen des Wertes und den Austauschver-hältnissen selbst ein einfaches Verhältnis nicht besteht. Weder derGrad der Brauchbarkeit zweier Güter noch der Grad der Schwierig-keit ihrer Beschaffung gestatten eine unmittelbare Ableitung deszwischen den beiden Gütern im Austausche realisierten oder zu reali-sierenden Wertverhältnisses.
Allerdings haben wir in der sogenannten „Grenznut zentheorie"einen geistreichen Versuch, den Verkehrs wert der Güter in unmittel -
t) Diese schon in der ersten Auflage gegebene Deklaration hätte mich vorder Kritik S. P. Altmaxns (a. a. 0. S. 46) schützen sollen, der findet, daß meineAusführungen bisweilen an einer Undeutlichkeit des Geldbegriffes, der von mir vielfachals selbständige Kategorie behandelt werde, leiden, „so wenn er S. 522 (S. 581 dieserAuflage) von einem stabilen Geldwert trotz Änderung der Preise spricht".