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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
544
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544: Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

bare Beziehung zu dem Grade ihrer Nützlichkeit zu setzen. Wennvon einem Gute ein bestimmter Vorrat gegeben ist, so werden ausdiesem Vorrate zuerst die dringendsten, dann die nächstdringenden Be-dürfnisse befriedigt; ist das Gut nur zur Befriedigung eines einzigenBedürfnisses geeignet, so wird, je mehr Einheiten des Gutes verbrauchtwerden, ein desto stärkerer Sättigungsgrad erreicht, sodaß der nochzu befriedigende Grad des Begehrens immer geringer wird. Die ge-ringste Nutzwirkung, zu welcher ein Gut bei gegebener Menge nochzu verwenden ist, wird alsGrenznutzen" bezeichnet. Der Grenz-nutzen sinkt nach den eben gemachten Ausführungen bei zunehmendemVorrat und steigt bei zunehmendem Bedarf. Dieser Grenznutzen dereinzelnen Güter soll unmittelbar bestimmend sein für ihren Verkehrs-wert. Jeder Einzelne wird eine Einheit eines in seinem Besitze be-findlichen Gutes nur dann gegen ein anderes Gut hingeben, wenn ermit dem letzteren eine höhere Nutzwirkung erzielen kann, als demgeringsten mit dem wegzugebenden Gut noch zu erzielenden Nutzenentspricht. Der im Austausch zu realisierende Verkehrswert kann sichmithin nur zwischen den Grenzen bewegen, die durch die Verschieden-heit des Grenznutzens der ausgetauschten Güter für die beiden aus-tauschenden Individuen gegeben sind. Nimmt man einen Markt miteiner Mehrzahl von Käufern und Verkäufern, so soll der volkswirt-schaftliche Grenznutzen darin zum Ausdruck kommen, daß die Ver-käufer genötigt sind, sich mit einem Preise zufrieden zu geben, welcherder geringsten Schätzung entspricht, bis zu der das Angebot derNachfrage folgen muß, d. h. mit eiuem Preise, der durch den ge-ringsten in Geld ausgedrückten Nutzen, der mit der angebotenenMenge bei den nachfragenden noch befriedigt werden kann, be-stimmt ist.

Die Meinungen, wie weit dieser Versuch einer unmittelbaren Dar-stellung von Preis .und Tauschwert aus der Nützlichkeit geglückt ist,sind geteilt. Namentlich ist darauf hingewiesen worden, daß derGrad der Nützlichkeit der Gütereinheiten für die Individuen schlechter-dings nicht quantitativ bestimmbar ist und deshalb auch keinen wirk-lichen Anhalt für die quantitative Bestimmung des Verkehrswertesder Güter geben kann.

Wir brauchen uns hier auf eine Kritik umsoweniger einzulassen,als der Anwendung der Grenznutzentheorie auf das Geld ein eigen-tümliches Hindernis entgegen steht.

Während diese Theorie den Verkehrswert der Güter aus demGrade ihrer Nützlichkeit innerhalb der Einzelwirtschaften zu be-stimmen sucht, ist umgekehrt der Grad der Nützlichkeit des Geldesfür die Einzelwirtschaften ganz offensichtlich durch seinen Verkehrs-wert gegeben. Wir stehen hier vor demselben Phänomen wie im