12. Kapitel. Der Geldwert. § 3.
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vorigen Paragraphen bei der Erörterung des Funktionswertes desGeldes. Dort haben wir gesehen, daß das Geld nur unter der Vor-aussetzung Nutz Wirkungen ausüben kann, daß es Wertqualität hat;hier machen .wir die Beobachtung, daß auch der Grad der Nützlichkeitdes Geldes bestimmt ist durch das quantitative Moment des Austausch-verhältnisses zwischen Geld und Waren, also durch die Höhe seines imAustausch zu realisierenden „Verkehrswertes". Die Schätzung des Geldesin der Einzelwirtschaft richtet sich danach, was man für das Geld anGütern, die dem unmittelbaren Verbrauche oder Gebrauche dienen —sei es in Haushaltung oder Erwerbswirtschaft —, bekommen kann,oder danach, was man zur Beschaffung des für fällige Zahlungen be-nötigten Geldes an anderen Gütern hingeben muß. Der Grenznutzendes Geldes in einer gegebenen Einzelwirtschaft ist mithin der geringsteNutzen, der mit den Gütern, die durch das zur Verfügung stehendeGeld beschafft werden können oder für - das benötigte Geld hingegebenwerden müssen, noch zu erzielen ist; und dieser Grenznutzen hat be-reits einen bestimmten Verkehrswert des Geldes zur Voraussetzung,sodaß der letztere vom ersteren nicht abgeleitet werden kann.
Wenn man die Gesamtheit einer Volkswirtschaft ins Auge faßt,so ergibt sich die Unanwendbarkeit der Grenznutzentheorie für dasGeld aus folgender Erwägung: Der Begriff des Grenznutzens beruhtdarauf, daß mit einer gegebenen Gütermenge nur ein bestimmter Be-darf befriedigt und somit nur eine bestimmte Reihe von Nutz-wirkungen herbeigeführt werden kann; der geringste noch erzielbareNutzen steht bei gegebenem Bedarf und Vorrat fest. Er bestimmtnach der Grenznutzentheorie den Wert des Gutes im Verhältnis zuden anderen Gütern, die als Gegenwert angeboten werden, und zwarin der Weise, daß derjenige Teil der Nachfrage, der durch den ge-gebenen Vorrat nicht befriedigt werden kann, dadurch ausgeschaltetwird, daß er einen dem Grenznutzen entsprechenden Gegenwert nichtzu bieten vermag. Die Voraussetzung, daß mit einer gegebenenGütermenge an sich schon auch die mögliche Nutzwirkung gegebenist, die dann ihrerseits den Wert bestimmen könne, trifft nun zwarfür alle anderen Güter zu, aber nicht für das Geld. Mit tausend-Tonnen Getreide kann eine bestimmte Anzahl von Menschen bis zueinem bestimmten Grade gesättigt werden, und zwar unabhängig vomVerkehrswerte des Getreides. Dagegen befindet sich die Nutz Wirkungeiner gegebenen Geldmenge nicht nur für die Einzelwirtschaften, son-dern auch innerhalb der gesamten Volkswirtschaft in unmittelbarerAbhängigkeit von dem Verkehr3werte des Geldes. Je höher der Wertder Geldeinheit gegenüber den übrigen Gütern ist, desto größere Güter-mengen können durch die Vermittelung der gleichen Summe von Geld-einheiten umgesetzt werden. Allerdings richtet sich der Bedarf des
Helfiterich, Das Gold. 85