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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
546
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546 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

einzelnen zur Erfüllung einer aus früherer Zeit stammenden Zahlungs-verpflichtung auf eine bestimmte Geldsumme, die als solche unabhängig'ist von dem gegenwärtigen Geldwerte; aber der Bedarf an Geld alsTauschmittel in der Gegenwart und der Umfang der Zahlungsver-pflichtungen, die jeweils aus dem Ankaufe von Waren auf Kredit usw.entstehen, richten sich ganz und gar nach dem Werte, den das Geldim Verhältnis zu den übrigen Gütern hat. Schon David Hume hatden in seinem Kern unzweifelhaft richtigen Satz aufgestellt, daß dieMenge des Geldes an sich für die volkswirtschaftliche Nutz Wirkungdes Geldes gleichgültig sei, daß die Hälfte des in einer Volkswirtschaftvorhandenen Geldes bei doppeltem Werte gegenüber den übrigenGütern die gleichen Dienste leisten werde, wie der ganze Geldvorrat.Während bei allen anderen Gütern der Wert aus der Beschränkungder bei einem gegebenen Vorrate möglichen Nutzwirkungen resultiertund im allgemeinen um so höher ist, je höhere Grade von Nutz-wirkungen durch die Beschränktheit des Vorrates ausgeschlossen sind ;die Nutzwirkungen des Vorrates selbst aber durch seinen Wert nichterhöht werden, kann beim Gelde die Nutzwirkung eines gegebenenVorrates durch Erhöhung des Wertes der Geldeinheit eine beliebigeAusdehnung erfahren.

Wir sehen mithin, daß in der Einzelwirtschaft wie in der Volks-wirtschaft die Nutzwirkungen des Geldes im Gegensatze zu den-jenigen aller übrigen Güter nicht durch seine Menge beschränktsind, sondern durch Veränderungen seines Verkehrswertes bedingtwerden, daß mithin sein Verkehrswert selbst nicht aus der Begrenzt-heit seiner Nutzwirkungen durch einen gegebenen Vorrat abgeleitetwerden kann. Wir müssen deshalb für das Geld noch mehr als für dieübrigen Güter darauf verzichten, die Höhe des Wertes unmittelbaraus den Faktoren, welche die Voraussetzung des Wertes bilden,darzustellen.

Wenn aber auch die Voraussetzungen des Wertes die Brauch-barkeit zur Befriedigung eines Bedürfnisses und die Schwierigkeit derBeschaffung keine direkte Ableitung der Höhe des Verkehrswertesder Güter gestatten, so ergeben sich doch aus den Verschiedenheitenund den Veränderungen des Grades, in dem diese Voraussetzungenbei den einzelnen Gütern vorliegen, gewisse allgemein feststellbareTendenzen für die Bildung und Änderung der Austauschverhältnisse.

Sobald es sich nicht mehr um einen Tausch zwischen isoliertenWirtschaftssubjekten, sondern um Tauschvorgänge auf demMarkte ",d. h. zwischen einer Mehrzahl von miteinander konkurrierenden In-dividuen auf beiden Seiten handelt, sind Angebot und Nachfrage dieFaktoren, welche unmittelbar die Austauschverhältnisse regulieren;je größer das Angebot, desto geringer ist im allgemeinen der zu er-