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Das Geld / Von Karl Helfferich
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12. Kapitel. Der Geldwert. § 3.

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zielende Gegenwert, weil mindestens ein Teil der Verkäufer sichlieber mit einem geringeren Gegenwerte zufrieden gibt, als daß er aufseiner Ware sitzen bleibt. Je stärker die Nachfrage, desto höher istim allgemeinen der zu erzielende Gegenwert, weil mindestens einTeil der Käufer gewillt ist, seine Nachfrage nötigenfalls auch zuhöheren Preisen zu decken. Das Verhältnis ist jedoch nicht ganz soeinfach, wie es auf den ersten Blick aussieht; es wirkt nämlich nichtnur die Gestaltung von Angebot und Nachfrage auf den zu erzielendenGegenwert ein, sondern der erzielte Gegenwert übt seinerseits aucheine gewisse Rückwirkung auf die Gestaltung von Angebot und Nach-frage aus; ein hoher Preis ist geeignet, die Nachfrage zu beschränkenund das Angebot zu erhöhen, ein niedriger Preis wirkt nach der um-gekehrten Richtung. In dem Grade dieser Wechselwirkung sind diewichtigsten Besonderheiten der Preisbildung bei den einzelnen Kate-gorien der Verkehrsobjekte begründet. Je unentbehrlicher ein Gut,je größer und dringender deshalb die auf dasselbe gerichtete Nach-frage ist, desto höher wird bei geringerem Angebote der Preis steigenmüssen, um die Nachfrage entsprechend zu beschränken; je wenigerausdehnungsfähig die Nachfrage ist, desto stärker muß ein steigendesAngebot auf den Preis drücken, um Absatz zu finden. Daraus erklärtsich die bekannte Beobachtung, daß die Preise derjenigen Güter, dieeinerseits in einem gewissen Quantum von jedermann benötigt werden,an deren Anhäufung über ein gewisses Maß hinaus jedoch niemandein Interesse hat, wie etwa die notwendigsten Nahrungsmittel, be-trächtlich stärkeren Preisschwankungen unterliegen als Luxusgüter,die zwar entbehrlich sind, deren Absatzmöglichkeit auf der anderenSeite äber praktisch unbegrenzt ist. Auf der Seite des Angebotsist die Ausdehnungs- und Beschränkungsfähigkeit gleichfalls bei deneinzelnen Gütern sehr verschieden. Je weniger beschränkungs-fähig das Angebot ist, desto stärker muß bei sinkender Nachfrageder Preis zurückgehen; so z. B. ist der Preis bei Gütern, die einemraschen Verderb unterliegen, einem stärkeren Sinken ausgesetzt, alsbei dauerhafteren Gütern, deren Angebot wenigstens zeitweise zurück-gehalten werden kann. Je schwerer andrerseits das Angebot aus-gedehnt werden kann, desto stärker müssen bei wachsender Nach-frage die Preise steigen; daraus erklärt sich die Verschiedenartigkeitder Preisbewegung der Güter, die ohne Steigerung der Kosten be-liebig vermehrbar sind, und der Güter, die entweder überhaupt nichtoder nur zu steigenden. Kosten vermehrt werden können, wobei dieUnmöglichkeit oder Schwierigkeit der Vermehrung ebensowohl innatürlichen, als auch in rechtlichen Verhältnissen (Monopolen) ihrenGrund haben kann. Es braucht nicir hervorgehoben zu werden,daß wir es bei den auf der Seite des Angebotes wirksamen Verhält-