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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
554
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« 554 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung- und Geldwert.

ein. Man ist in neuerer Zeit vielfach geneigt, diese Seite des hier vor-liegenden Wechselwirkungsverhältnisses zwischen Geld und Geldmetallzu überschätzen; ja man ist soweit gegangen, zu bestreiten, daß diefreie Prägung den Wert des Geldes in Abhängigkeit setze von demWerte des Geldmetalls, indem man behauptet hat, der Wert des sogenannten vollwertigen Goldgeldes beruhe ebenso unabhängig von seinem, Stotfwerte auf seiner Zahlungs- und Kauikraft, wie etwa der Werteines uneinlösbaren Papiergeldes. Der durch die Zahlungs- und Kauf-kraft der Mark gegebene Wert, nicht das in den Beichsgoldmünzensteckende Gold sei für den Wert des deutschen Geldes maßgebend,es sei deshalb falsch, die deutsche Währung eineGoldwährung'' zunennen, sie sei eine "Markwährung". )

Da zwischen dem Geldmetalle und dem gemünzten Gelde bei freierPrägung ein festes Verhältnis besteht, so wäre die notwendige Kon-sequenz der eben geschilderten Aulfassung, daß der Wert der unge-prägten Geldmetalle seinerseits bestimmt würde durch den Wert dergeprägten MüDzen. Eine kurze Überlegung ergibt jedoch die Un-richtigkeit dieser Auffassung. Die den Wert des deutschen Geldes be-einflussenden Faktoren, die wie wir gesehen haben auf den Wertdes Goldes einwirken, könnten nur unter der Voraussetzung den Wertdes Goldes vollkommen bestimmen, wenn das Metall Gold zu keinenanderen Zwecken als zu demjenigen, als deutsches Geld zu dienen, ver-wendbar wäre. Ebenso wie die Verwendbarkeit als deutsches Geldwirkt jedoch auch die Verwendbarkeit als englisches, französisches,amerikanisches und anderes Geld auf den Wert des Metalles Gold ein;in gleicher Weise, wenn auch in geringerem Grade, wird der Wertdes Goldes beeinflußt durch seine Verwendbarkeit zu industriellenZwecken. Die Gesamtheit dieser Verwendungsmöglichkeiten stellt denGrad der Nützlichkeit des Goldes dar und damit den einen Faktorder Wertbildung des Goldes; sie bestimmt in Verbindung mit derSchwierigkeit der Goldbeschaffung den Wert des Metalles Gold. Woim Wege der freien Prägung ein festes Wertverhältnis zwischen derGeldeinheit und einem bestimmten Metallquantum besteht, liegt mithineine doppelseitige Beziehung vor, indem der Wert der Geldeinheit ineine feste Beziehung zu dem Werte des Geldmetalls gesetzt ist, derseinerseits durch die Nachfrage nach Geld für das betreffende Landbis zu einem gewissen Grade mit beeinflußt wird. 2 )

1) Vgl. Heyn, Irrtümer auf dem Gebiete des Geldwesens. 1900. S. 112.

2) An dieser Auffassung eines Wechselwirkungsverhältnisses zwischen Gold-wert und Geldwert halte ich fest auch gegenüber den Einwendungen, die seit demErscheinen der ersten Auflage gemacht worden sind (vgl. z. B. Altmann, a. a. 0.S. 32.) Zumeist wird bei diesen Einwendungen übersehen, daß ich die Einwirkungaller den Geldwert berührenden FaktoreD auf den Wert des Goldes in den Ländern