12. Kapitel. Der Geldwert § 4.
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Die klare Erkenntnis dieses Verhältnisses ist wichtig nicht nurfür das Wesen der freien Prägung und des durch sie geschaffenenZusammenhanges selbst, sondern auch für das Verständnis der ge-samten Konstruktion der Geldsysteme.
Würde in der durch die freie Prägung geschaffenen Gleichungzwischen Geld. und. Geldstoff der Wert des letzteren von dem desersteren in eine einseitige und unbedingte Abhängigkeit gesetzt, dannwürde es keinerlei Schwierigkeit machen, die aus verschiedenen Stoffenbestehenden Geldsorten in eine feste Wertbeziehung zu setzen. Wennder Wert der Mark das gegebene ist, und wenn bei freier Goldprägungder Wert des Pfundes Feingold bestimmt wäre durch den Wert von1395 Mark, dann könnte bei gleichzeitiger freier Silberprägung derWert des Pfundes Feinsilber auf einen beliebigen Betrag in Markfestgelegt werden, ebenso der Wert des Nickels und des Kupfers;dann wäre die Zusammenfassung von Münzen aus verschiedenen Stoffenzu einem einheitlichen Geldsysteme und vor allem auch die Durchführ-barkeit der Doppelwährung niemals ein Problem gewesen. DieSchwierigkeiten, die sich nach diesen Richtungen hin im geschicht-lichen Verlauf der Dinge ergeben haben, werden aber in ihrem Wesendurch die richtige Erkenntnis des bei freier Prägung zAvischen demMetalle und den daraus geprägten Münzen bestehenden Verhältnissessofort klar. Ebenso wie der Wert des Goldes durch die Bestimmung,daß aus einem Pfunde Feingold 1395 Mark, die gesetzliches Zahlungs-mittel in Deutschland sind, geprägt werden sollen, keineswegs festge-legt wird, wie er vielmehr neben der Verwendbarkeit als deutschesGeld durch alle die anderen monetären und industriellen Verwendungs-
mit freier Goldprägung keineswegs leugne, sondern ausdrücklich hervorhebe. DerUnterschied meiner Auffassung gegenüber derjenigen Heyns und anderer liegt ineinem ganz anderen Punkte. Bei freier Goldprägung ist der Wert der Geldeinheiteines bestimmten Staates nicht isoliert zu begreifen als bestimmt durch diespeziell den Geldwert dieses Landes berührenden Verhältnisse, wie es bei einerreinen Papierwährung der Fall wäre, sondern nur aus der Gesamtwirkung aller denGeldwert in sämtlichen Goldwährungsländern berührenden Faktoren. Die den Geld-wert berührenden Faktoren mögen in Deutschland für sich genommen nach derumgekehrten Richtung wirken, wie z.B. in England ; die in beiden Ländern vorhandenefeste Wertbeziehung zwischen Geld und Gold hat dann zur Folge, daß die entgegen-strebenden Tendenzen sich in ihrer Wirkung auf den eine einheitliche Erscheinungdarstellenden Goldwert mehr oder weniger ausgleichen; die Gesamtheit der sich teilsverstärkenden, teils abschwächenden auf den Goldwert einwirkenden Faktoren ist ent-scheidend für die Wertgestaltung der einzelnen auf der Goldwährung beruhendennationalen Werteinheiten. Der Wert der deutschen Mark wird durch das Mediumdes Goldes mit beeinflußt durch Verhältnisse, die unmittelbar auf den Wert des Dollars,desPfundes Sterling oder des Franken einwirken und unmittelbar mit der Zahlungs-undKaufkraft der Mark nicht das mindeste zu tun haben. Deswegen ist die deutscheWährung keine ..Markwährung" im Sinne Heyns, sondern eine „Goldwährung".