566 Zweites Buch. IV. Abschnitt Geldbedarf, Geldveisorgung und Geldwert.
kosten — vor allem die Arbeitslöhne — nicht entsprechend dem ge-ringeren Erlöse für ihre Erzeugnisse herabzudrücken vermögen, erleidenEinbußen und sehen sich zu Betriebseinschränkungen oder gar zu Be-triebseinstellungen gezwungen. Die geringere Nachfrage nach Arbeits-kräften drückt schließlich auch die Arbeitslöhne, und zwar unter Begleit-erscheinungen, die für Unternehmer und Arbeiter gleich traurig sind.
Veränderungen des Geldwertes sind mithin — einerlei nach welcherRichtung hin sie erfolgen — geeignet, bedenkliche Verschiebungenin der Einkommens- und Vermögensverteilung, Erschütterungen derGrundlagen einer jeden wirtschaftlichen Kalkulation und damit erheb-liche Störungen im ganzen Wirtschaftsleben hervorzurufen. Sowohlim allgemeinen Interesse der Volkswirtschaft, als auch aus Gründender Gerechtigkeit erscheint deshalb die möglichste Stabilität des Geld-wertes, d. h. die möglichste Unveränderlichkeit der aufseiten desGeldes wirksamen Bestimmungsgründe für die Austauschverhältnisse,als das erstrebenswerte Ziel.
Wenn in diesen Ausführungen versucht wurde, die Begleiterschei-nungen und Folgen der Geldwertverschiebungen darzustellen, so darfder Hinweis nicht unterlassen werden, daß wir es hier nicht mit Wir-kungen zu tun haben, die unbedingt eintreten müssen, daß vielmehrdie auf der Seite der übrigen Verkehrsobjekte wirksamen Faktorengeeignet sind, die vom Gelde ausgehenden Wirkungen aufzuheben undzu überbieten. In Anbetracht der oben dargelegten Tatsache, daßdie Besonderheit der auf der Seite des Geldes wirksamen Bestimmungs-gründe dem Werte des Geldes eine weit größere Beständigkeit sichert,als wir sie bei den meisten anderen Verkehrsobjekten voraussetzendürfen, müssen wir sogar damit rechnen, daß in der tatsächlichenGestaltung der Austauschverhältnisse und der Bewegungsvorgänge derVolkswirtschaft die vom Gelde ausgehenden Wirkungen gänzlich durchdie von den übrigen Verkehrsobjekten ausgehenden Wirkungen in denHintergrund gedrängt werden. Je weniger sich in den tatsächlichenVorgängen und Erscheinungen ein Einfluß des Geldes nachweisenläßt, je indifferenter das Geld für den Gang des Wirtschaftslebens ist,desto mehr nähert sich das Geld dem Ideal der Unveränderlichkeitseines Wertes. •
§ 6. Die Wirkungen der Yalutaschwankungen.
Ein spezieller Fall von Veränderungen des Geldwertes, der hiernoch kurz berührt werden muß, liegt vor, weun eine Verschiebungder Valuten zweier Länder, die miteinander in Verkehrsbeziehungenstehen, eintritt Die in den gegenseitigen Wechselkursen sich zeigendeVeränderung, die eine Entwertung des Geldes des einen Landes gegen-über dem Gelde des anderen Landes bedeutet, kann aus Ursachen hervor-