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Das skatologische Element in Literatur, Kunst und Volksleben / von Paul Englisch
Entstehung
Seite
108
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4°, von Ignaz von Born (17/121791), einem sehr ver-dienstvollen Gelehrten am Hofe der Kaiserin Maria The-resia 10 . Das Werk soll nach Linneischem Muster eineNaturgeschichte der Mönche geben und war ursprüng-lich lateinisch geschrieben. Die drei beigegebenen Kup-fertafeln sind von der gleichen Derbheit wie der In-halt der Spottschrift Besonders kommt die zweite hierin Betracht. Sie enthält nämlich die Ansichteines fastunverkennbaren Afters in einer vollständigen Samt-hose", danneines Dickarsches in halber Tuchhose" unddrittenseines Schmalafters in Leinwandumhüllung".Nach einer allgemeinen Beschreibung der Mönche wer-den die einzelnen Orden gebührend abgehandelt. VomKapuzinermönch heißt es:

Das Wesen des Kapuziners ist ein sehr erbärmliches,sein Gang träge, das Gesicht wüst, am ähnlichsten einemSatyrn aus dem Affenlande. Es ist nicht gut, sich ihmzu nahen, denn er läßt einen fürchterlichen Gestankvon sich. Allen Vorrat verwahrt er am Leibe in Säck-chen. Rücksichten kennt er nicht, ohne weiteres schlägter die Kutte in die Höhe und scheißt und brunzt, ohneden geringsten Anstand dann wischt er sich den Po-dex mit dem Strick am Leib ab."Aus dem reichhaltigen Material, das uns G. J. Wit-kowsky in seinem zweibändigen, reich illustriertenWerkeL'art profane ä l'eglise" bietet, können wirschließen, daß das Mittelalter an der Darstellung vonPersonen bei der Verrichtung natürlicher Bedürfnissekeinen Anstoß nahm Man sah derartige Fakta eben alsganz natürlich an und hatte um so weniger Grund zum

1° Die Bibliographie dieser lehrreichen Schrift ist in Pisanus Praxi,Centuria librorura absconditorum, p. XXXIII, Anm. 4i unter Essaisur l'histoire naturelle de quelques Especes de Moines, bei Hayn-Gotendorf und Gay enthalten.

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