Druckschrift 
Das skatologische Element in Literatur, Kunst und Volksleben / von Paul Englisch
Entstehung
Seite
109
Einzelbild herunterladen
 

Einschreiten, als der Künstler sein Bestreben daraufrichtete, diese Darstellungen an möglichst nicht in dieAugen fallenden Stellen anzubringen, entweder im Dun-kel des unteren Chorgestelles oder hoch oben an denSäulenkapitellen oder Dachfirsten. Als Dachtraufen fin-det die Darstellung von männlichen oder weiblichen Per-sonen im Zustande der Entleerung sich nicht oft Sonstbeschränkt sich der Künstler in der Hauptsache auf dieWiedergabe eines Mannes, der die Hosen niedergelassenhat oder sein Wasser abschlägt Merkwürdigerweise fin-den sich derartige Profanierungen an Kirchen meistensnur bei den Flämen, und die einzelnen Bildwerke, diein Frankreich anzutreffen waren, verdankten flämischenKünstlern ihre Entstehung. Der Fläme ist in dieser Hin-sicht sehr ungezwungen. Ich erinnere nur an die vielenNotdurftszenen, die uns Bubens, Bembrandt, Ostade ,Jan Steen, Brouwer und Breughel gemalt haben. Mittenin einer lustigen Gesellschaft findet sich häufig einMann oder ein Kind, die ihren Bedürfnissen freien Lauflassen, seltener ist es ein Weib. Joachim Patenier hattedie Gewohnheit, in seinen Landschaften einen Mann an-zubringen, der seine Blase erleichtert. Marcus Ghee-raerts aus Brügge dagegen fügte eine Frau ein, die aufeiner Brücke oder an einer anderen Stelle kauerte undein kleines Bedürfnis verrichtete.

Beroalde de Verville bringt in seinemMoyen de par-venir" zahllose skatologische Anekdoten und Schnurren,und man gerät tatsächlich in Verlegenheit, wenn man einbezeichnendes Beispiel auswählen soll. Es sei deshalbnur die Schnurre wiedergegeben, in der das Vergnügeneiner guten Entleerung gepriesen wird 11 .

11 Der Weg zum Erfolge, deutsch von Mario Spiro, Berlin, BrunoCassirer 1914, S. 35g.

IOQ