Druckschrift 
Das skatologische Element in Literatur, Kunst und Volksleben / von Paul Englisch
Entstehung
Seite
111
Einzelbild herunterladen
 

Ein weiteres Skatologikum ist das etwa um 1190 voneinem unbekannten Spieiniann verfaßte EposSalomonund Morolf", dessen Spruchgedicht uns hier interes-siert. Morolf ist ein häßlicher, unflätiger Possenreißer,der mit dem Könige Salomo in einen Disput gerät undauf Salomos Weisheitssprüche mit einer skatologischenRedensart antwortet. Der Gegensatz zwischen den er-habenen Worten Salomos und der ganz im gemeinenwurzelnden Sprechweise des groben Bauemklotzes istungemein reizvoll 12 .

Eins der bekanntesten Stücke von Hans Sachs ist seinNasentanz", der i55o gedichtet wurde. Ein Schultheißträgt an seiner Stange drei Schmuckstücke und verheißtsie den drei größten Nasenträgern als Preis. Die nunauftretenden Bewerber preisen die Vorzüge ihrer Nasenin recht drastischer Weise. Schon die Namen gehörenin das Reich der Skatologie. Da ist zum Beispiel ein

12 Vgl. Salomon und Marcolf, hrsg. von Hans W. Fischer, Leipzig 1907. Die Beliehtheil dieses Dialoges geht daraus hervor, daß er inverschiedenen Sprachen fast gleichzeitig erschien, z. B. französisch:Les Diclz de Salomon avec les responces de Marcon fort joyeuses,s. 1. n. d. (vers i5oo; vgl. Gay, Analectes III, 2021) undpolnisch, vgl.: Collationes inier Salomonen! et Marcolphum.Rozmowy ktore myat Zmarchottem gruhym a sprosnym / ä wssäkoziäka o llyem powyedäia bärzo zwymownyem zfigurämi y zgadkamismyessnymi. Wydat Ludwik Bernacki, Folio. Haarlem, Joh. En-schede en Zonen Nakladem Wydawcy 1913. Nur in 125 nume-rierten Exemplaren hergestellt. Das Werk ist in mehrfacherHinsicht interessant. Es bringt den Neudruck von drei Marcolf-Frag-inenlen, Krakow i5ai, i5a5 und i535. in altpolnischer Sprache,also die überhaupt ersten polnischen Drucke; fernerWyj^tki z,Marchotla'. Wokahularz rozmaitych sentencyi. Krakow, H. Wie-tor / i53g". Mit 3i Faksimilcreproduktionen, darunter von einigendurch Holzschnitte illustrierten alten Ausgaben. DasWoka-bularz" stellt eine bisher unbekannte deutsche Obersetzung desMarcolf dar, und außerdem sind zwei noch nicht bekannte latei-nische Inkunabeln des Buches, gedruckt von Quentell und Kachel-offen, darin genau beschrieben.

III