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Das skatologische Element in Literatur, Kunst und Volksleben / von Paul Englisch
Entstehung
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Stuhle gehen, die Arznei, die dem alten Manne zugehörte,der gern mit der jungen Frau fröhlich wäre gewesen.Als der die Arzenei einnahm, ward ihm seine Notdurftvonnöten, und als er einmal oder zweimal auf dem heim-lichen Gemach war gewesen, hatte er doch keine Ruhe,sondern trieb das die ganze Nacht also, daß die jungeFrau gar wenig erfreut ward auf diese Nacht. Sie wardarum sehr traurig, denn sie besorgte, es wäre allsoseine Art und Weise.

Der andere Kranke aber lag die ganze Nacht und wartete,wann ihm der Stuhlgang würde kommen. Aber seineArznei wirkte in einem andern Weg, denn er hätte liebereine Frau bei sich gehabt, als daß er wäre zu Stuhlegegangen. Des Morgens kam der Arzt zuerst zu demalten Manne und wollte sehen, was er ihm als Honorargäbe, aber der gute Mann lag noch und ruhte, denn erhatte die ganze Nacht nicht viel geschlafen und war soschwach geworden, daß er kaum reden konnte und sagtedem Arzte: ,Fürwahr, Herr, Ihr habt mir ein böses Stückgetan! Wenn ich stärker wäre, als ich bin, so solltet Ihres keinem Pfaffen dürfen beichten!' Der Arzt fragte:,Wieso?' Der Alte sagte ihm, wie er die ganze Nacht hättelaufen müssen und die Braut seiner gar wenig froh ge-wesen wäre. Da erkannte der Doktor, daß der Apothekerdie Arzeneien verwechselt hätte und bat den alten Mannum Entschuldigung. Der andere Patient ist natürlichebensowenig erbaut, daß er statt einer ,Weichung desBauches inwendig' eine ,Härtung des Bauches aus-wendig' erreicht hat"

Nicht minder beliebt als PaulisSchimpf und Ernst"war Jörg Wickrams Rollwagenbüchlein". Der ziemlichderbe SchwankVon der Bäuerin und der süßen Mar-tinsmilch" gehört ebenfalls hierher. Da er aber sehr

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