nur Beiwerk, bildet nicht den Mittelpunkt, um den sichalles dreht Ein solches Aufgehen im rein Skate-logischenfinden wir nur bei dem Erzschelm Gonella, den wir miteinigen Schnurren zu Worte kommen lassen wollen:Einstmals versprach er einem Ferraresen, der dies sehn-lichst wünschte, ihn für wenige Groschen zum Wahr-sager zu machen. Nachdem sich der Mann auf sein Ge-heiß zu ihm ins Bett gelegt hatte, ließ er einen geräusch-losen Wind streichen. Dann befahl er ihm, den Kopfunter die Decke zu stecken. Der tat es, zog ihn abervor Gestank eiligst hervor und sagte: „Wie ich sehe, hastdu gefurzt." Darauf Gonella: „Zahl mir das Geld, denndu hast richtig wahrgesagt 13 ." Auch Poggio führt siean 14 in etwas geänderter Fassung: „Zu einem Floren-tiner, der ein Wahrsager zu werden wünschte, sagte Go-nella : ,Mit einer einzigen Pille werde ich dich zum Wahr-sager machen.' Da der einverstanden war, gab er ihmeine aus Dreck gedrehte Pille in den Mund. Der Armespie vor Ekel aus und sagte: ,Das schmeckt ja nachDreck, was du mir gegeben hast.' Nun bestätigte ihmGonella, daß er wahrgesagt habe, und verlangte seinenLohn." Dieses Motiv, nach dem Geschmack die Herkunfteiner übelduftenden Sache zu erraten, scheint nach denNachweisungen, die Albert Wesselski in „Die Begeben-heiten der beiden Gonella 15 " bietet, sehr beliebt gewesenzu sein, denn es findet sich in altfranzösischen, italieni-schen und deutschen Novellen. Das altfranzösische Fa-
13 S. a. Poggio, Facetien Nr. 166; dieselbe Geschichte findet sichauch in Grimmelshausens Abenteuerlichem Simplicissimus, I. Buch,28. Kapitel, Ausgabe von Tittmann, 2. A., Leipzig 1877, I,S. 77 ff.
14 Les faceties de Pogge. traduiles en Francais, aven le texte laiin.Edition compldte. Paris 1878, Nr. i65.
ir> Weimar, Alex. Duncker, 1920, S. 99—102.
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