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572 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.
deren völlige Überwindung unmöglich ist. Die Preise der einzelnenVerkehrsobjekte entwickeln sich dem Grade und der Richtung nach inder verschiedensten Weise. Auf welchem Wege ist es denkbar, ausdiesem chaotischen Auf und Ab einen einheitlichen und, wenn auch nichtim einzelnen — was der Natur der Sache nach unmöglich ist —, sodoch im großen ganzen richtigen einheitlichen Ausdruck für die Kauf-kraft des Geldes zu finden?
Es ist klar, daß die statistische Erfassung aller in einer ge-gebenen Volkswirtschaft in Geld bestehenden Preise und Löhne un-möglich ist. Verhältnismäßig einfach ist die Feststellung der Preis-bewegung der wichtigeren Großhandelswaren, und auf diese haben sichdie Untersuchungen über die Kaufkraft des Geldes oder, umgekehrtausgedrückt, über das allgemeine Preisniveau, in der Hauptsache be-schränkt. Für den Endzweck aller Wirtschaft jedoch, für den Konsum,sind gerade die schwer zu erfassenden und schwer für gleichartigeQualitäten festzustellenden Kleinhandelspreise der fertigen Produkteausschlaggebend. Die sich auf den Preisen gewisser Stapelartikel auf-bauenden Berechnungen können deshalb nur Ergebnisse über einenbestimmten Ausschnitt des allgemeinen Preisniveaus liefern, die für dieKaufkraft des Geldes nicht ohne weiteres verallgemeinert werdendürfen.
Eine zweite, allerdings leichter zu überwindende Schwierigkeitist, daß man nicht ohne weiteres den Durchschnitt aus den Preisenmehrerer verschiedenartiger Güter ziehen kann. Wenn die TonneWeizen 160 Mark, die Tonne Kohlen 20 Mark, das Kilogramm Silber120 Mark kostet, so kann man daraus nicht einen, durchschnittlichenPreis für alle drei Artikel von 100 Mark berechnen, der sich bei einemRückgange des Kohlenpreises auf 10 Mark, des Silberpreises auf 80 Markund einer Steigerung des Getreidepreises auf 180 Mark auf 90 Markermäßigen würde. In dieser Beziehung hat man sich in dem von demenglischen Statistiker Newmabch zuerst in größerem Umfange ange-wendeten System der sogenannten „Index Numbers" folgendermaßengeholfen. Man hat für einen bestimmten Zeitraum und Ort den durch-schnittlichen Preis aller der einzelnen Artikel, welche man zur Er-mittelung des allgemeinen Preisniveaus heranziehen wollte, gleich 100gesetzt und für die Preise der folgenden Zeitpunkte oder Zeiträumedie Verhältniszahlen berechnet; nicht aus den wirklichen Preisen,sondern aus diesen Verhältniszahlen hat man dann für jeden einzelnenZeitpunkt den Durchschnitt berechnet. Die sich ergebenden Durch-schnitte der Verhältniszahlen, welche» die Veränderungen des Preis-niveaus ausdrücken sollen, hat man „Index Numbers" genannt. Indem oben angeführten Beispiele würden sich die Indexzahlen für diedrei Artikel folgendermaßen berechnen: