keine rechte Lust, darum sei so gut und kau' mir ihnvor, und da wird mir die Lust wieder kommen.'Den Diener deuchte das wohl seltsam, aber aus Furchtvor dem Herzoge, der zugegen war, steckte er ihn inden Mund und kaute eine Weile daran herum. Dannwollte er ihn erbost dem Narren reichen. Der jedochsagte schmunzelnd, während jeder gespannt war, ob erihn essen werde: ,Du hast mir ja den ganzen Saftherausgezogen, und weil du die Trester herausgezogenhast, so iß jetzt alles, und laß es dir wohl bekommen.'Und so sah sich der arme Schelm von einem Dieneraus Angst, es könnte ihm etwas noch Schlimmeres zu-stoßen, gezwungen, diese Schweinerei hinunterzu-schlucken 20 ."
Zuweilen aber fällt Gonella selber in die Grube, dieer anderen gegraben hat. Davon ein Beispiel, das dieDichtergestalt Dantes zum Gegenstand hat:„Von den Florentinern war Dante , der Dichter, als Ge-sandter zu den Venetianern geschickt worden. Auf derDurchreise hielt er sich einige Tage in Ferrara bei demHerzog auf und war dort Gegenstand vieler Ehrungen.Eines Tages sali nun Gonella die Kapuze, die Dante nachflorentinischer Weise trug, und da sagte er zu dem Her-zog: ,Herr, ich sterbe, wenn du mir nicht eine Gnadeerweist.' Der Herzog antwortete: ,Verlange, was duwillst!' Und der Possenreißer verlangte die Kapuze Dan-tes. Dieser, der sah, daß er damit dem Herzog einen Ge-fallen tat, gab sie ihm. Kaum aber hatte sie Gonella,so hofierte er hinein. Nun bat Dante den Herzog um dieGnade, daß sie Gonella sich aufsetzen müsse, und ihmwurde willfahrt, und Gonella setzte sie sich auf und
20 Die Begebenheiten der beiden Gonella, hrsg. v. A. Wesselski,Weimar 1920, S. 69—70.
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