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Das Geld / Von Karl Helfferich
Entstehung
Seite
582
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582 Zweites Buch. IV. Abschnitt. Geldbedarf, Geldversorgung und Geldwert.

ob er nicht wenigstens zu einem Teile durch das Geld verursachtworden sein könnte.

Gegen diese letztere noch offene Möglichkeit spricht zunächst dasVerhalten des Geldes gegenüber den übrigen Verkehrsobjekten. Wirhaben gesehen, daß in der in Rede stehenden Periode die Kaufkraftdes Geldes nur gegenüber den Großhandelspreisen der Stapelartikeleine entschiedene Abnahme zeigte, daß aber gegenüber den Klein-handelspreisen fertiger Produkte eine Abnahme nicht mit derselbenSicherheit festgestellt werden konnte, während die Kaufkraft desGeldes gegenüber den Grundstücken und deren Nutzungen eher eineVerminderung, gegenüber den persönlichen Arbeitsleistungen sogareine ausgesprochene Verminderung zeigte. Insonderheit der letzterePunkt ist für die Beurteilung der hier vorliegenden Frage wichtig.Der Arbeiter kann nur dann bei sinkenden Preisen der von ihm her-gestellten Waren auf die Dauer einen gleichbleibenden oder gareinen höheren Lohn erhalten, wenn er infolge technischer Ver-besserungen der Produktion mit dem gleichen Kapital- und Arbeits-aufwande mehr Waren produziert als bisher; also nur dann, wennder Preisrückgang der Produkte durch eine entsprechende Ver-mehrung der Produktion bei gleichem Arbeits- und Kapitalaufwandeausgeglichen wird. Würde dagegen der Preisrückgang der Produkteauf einer Steigerung des Geldwertes beruhen, so bliebe dem Unter-nehmer nur übrig, auch die Arbeitslöhne entsprechend der Steigerungdes Geldwertes herabzusetzen oder mit Verlust zu arbeiten undschließlich zugrunde zu gehen. Steigende Arbeitslöhne bei sinkendenWarenpreisen lassen es deshalb ausgeschlossen erscheinen, daß derRückgang der Warenpreise durch eine Erhöhung des Geldwertesverursacht sein könnte.

Wir können uns jedoch, wenn wir eine tiefer gehende Auf-klärung über die Bestimmungsgründe der Preisveränderungen habenwollen, nicht mit dieser allgemeinen Erörterung der Ursachen der imgroßen ganzen während der vom Beginn der 70 er bis zur Mitteder 90 er Jahre des vorigen Jahrhunderts in Erscheinung getretenensinkenden Tendenz der Großhandelspreise begnügen. Diese Tendenzwar eben nur im großen ganzen vorhanden, während sie im ein-zelnen charakteristische Unterbrechungen erfuhr. Die Untersuchungder Ursachen dieser periodischen Schwankungen der Preise wirddazu beitragen, den Anteil des Geldes an der Preisbewegung weiteraufzuklären.

Wenn man die Zahlen in der auf S. 576 gegebenen Tabelleverfolgt, dann drängt sich für jeden Kenner der Wirtschaftsgeschichteder letzten sechs Jahrzehnte die Wahrnehmung auf, daß die Schwan-kungen der Indexzahlen vollständig mit dem Wechsel der auf- und