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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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Wenn ich vorhin die französische Finanzpolitik dahin cha-rakterisiert habe, dass sie die Kunst verstehe, aus Papier Papier zu machen, so kann ich der englischen Finanzpolitik die vielgrössere Kunst nicht abstreiten, dass sie es versteht, aus demmürben Leder ihrer Schutzbefohlenen und Verbündeten für sichselbst goldne Riemen zu schneiden.

Aber, meine Herren, trotz aller dieser Künste, derenNachahmung jenseits der Grenze unseres Ehrgeizes liegt,glaube ich versichern zu können, dass wir mit unsererklaren und sicheren Anleihepolitik bisher nicht schlecht ab-geschnitten haben; und dieser Eindruck wird bestätigt durcheinen Blick auf die Notenbanken der beteiligten Länder. UnsereReichsbank hebt sich aus dem Kreise der amtlichen grossenZentralnotenbanken geradezu glänzend heraus durch die Tatsache,dass es gelungen ist, ihren Goldbestand in einem ungeahntenMasse zu stärken. Sie hat ihren Goldbestand, der bei Kriegsaus-bruch rund 1 Milliarde 250 Millionen Mark betrug, auf etwa 2 Mil-liarden 300 Millionen Mark erhöht, also um rund eine Milliarde.Die ganze Bevölkerung hat dabei mitgewirkt und hat dazu beige-tragen, die stattlichen Goldreserven des freien Verkehrs in dieBank überzuleiten, also an diejenige Stelle, wo in Kriegszeitendas Gold am wirksamsten ist; und dieser Zustrom dauert fort.Woche für Woche kann die Reichsbank eine Anzahl von Millionenneues Gold aufzeigen. Ich möchte nicht unterlassen, von dieserStelle aus allen zu danken, die sich in patriotischem Sinne umdiese Stärkung unserer Zentralbank und damit um die finanzielleWehrkraft unseres Vaterlandes verdient gemacht haben. Ich möchtedabei ganz besonders anerkennen, dass diese Stärkung des Gold-bestandes der Reichsbank sich durchaus im Wege freiwilligerBetätigung vollzogen hat unter dem Einfluss einer wohlorganisiertenAufklärung und Aneiferung, aber ohne jeden Zwang. Ich möchtedies mit um so grösserem Nachdruck feststellen, als die unsfeindliche Auslandspresse die albernsten Märchen über die Ur-sache der Zunahme unseres Goldbestands kolportiert und als ichselbst seit Uebernabme meines Amtes unzählige Zuschriften er-halten habe und täglich noch erhalte, die im Uebermass eines ansich löblichen Eifers allerlei Zwangsmittel in Vorschlag bringen.