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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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damit der Zeichner der Anleihe sobald wie möglich etwas in dieHand bekommt. Ich stehe nicht an, anzuerkennen, dass die Unter-lassung der Ausgabe von Zwischenscheinen bei der zweiten Kriegs-anleihe zu Missständen geführt und vielfach Missfallen erregt hat.Wir konnten damals nicht annehmen, in welchem enormen Umfangegerade kleine Stücke gezeichnet werden würden. Es ist die Aus-fertigung von weit über sechs Millionen Stücken notwendig. Dabeimöchte ich Sie und möchte die Oeffentlichkeit bitten, zu be-rücksichtigen, unter welchen schwierigen Verhältnissen heute dieReichsischuldenyerwaltung arbeitet. Ein grosser Teil ihres aus-gebildeten Personals steht im Feld. Die Arbeit ist dort, obwohlTag und Nacht mit Ausdauer gearbeitet wird, kaum zu bewältigen;und obenhin getan werden kann sie natürlich auch nicht. Dazusind die Objekte, um die es sich handelt, zu wertvoll.

Die Werbetätigkeit für die Kriegsanleihe wollen wir diesesMal in noch grösserem Umfange betreiben als die beiden letztenMale. Allerdings, auf die sensationelle Reklame, die England beiseiner letzten Kriegsanleihe aufgeboten hat in gleichem Stilübrigens wie für die Werbung zum Kriegsdienst, glauben wirverzichten zu können und verzichten zu müssen. Es entsprichtnicht dem deutschen Geschmack, den Stil der Zirkusreklame aufden Ernst des Krieges in Anwendung zu bringen. Wir haben auchnicht nötig, nach englischem 1 Vorbild den Zeichnern zu sagen,dass sie ihrem Vaterlande eina mercy", eine Gnade erweisen,wenn sie auf die Anleihe zeichnen. Das Deutsche Reich betteltnicht, und der Deutsche gibt seinem Vaterlande kein Almosen,sondern er erfüllt seine Pflicht.

Aber die lebendige Mitwirkung aller, die durch Amt und Beruf,durch Stellung und Ansehen belehrend und beratend auf die wei-testen Volkskreise einwirken können, wollen wir nicht missen.Gemeindevorsteher, Geistliche und Lehrer haben uns das letzteMal schon wacker geholfen. Ich bin überzeugt, sie werden dies-mal ihre Anstrengungen verdoppeln. Vor allem, meine Herren,rechne ich in dieser Beziehung auf Sie, auf Sie als die gewähltenMitglieder und Vertrauenspersonen des deutschen Volkes. WennSie jetzt nach Ihrer Heimat zurückkehren, dann haben Sie Ge-legenheit, in Ihrem Kreise durch Belehrung und durch Appell an