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und Bonar Law hat neulich im Oherhause sogar von Staats-bankerott gesprochen, den man im äussersten Fall riskieren müsse,um den Krieg zu gewinnen.
Meine Herren, wir wollen uns in aller Ruhe und in allerNüchternheit Rechenschaft davon geben, dass mit der englischenFinanz- und Wirtschaftsmacht die Grundlage des englischen Welt-reichs ins Wanken g'erät. Ich möchte das britische Weltreichmit einem grossen Sonnensystem vergleichen, in dem der Zentral-stern durch die Wucht seiner Masse die Planeten in seine Kreisebannt. So war Englands gewaltige wirtschaftliche und finanzielleUeberlegenheit bisher ein wesentliches Stück der Schwerkraft, diedas grosse britische Weltreich zusammenhält. Verliert die Sonneeinen wesentlichen Teil ihrer Substanz, dann zerstiebt das ganzePlanetensystem im Weltenraum. Deutschland , meine Herren, stehtzum Gelde anders. Wir können es vertragen, ärmer zu werden,und wir bleiben doch, was wir sind. Ein verarmtes England aberheisst: finis Britanniae! Wir Deutsche haben den DreissigjährigenKrieg, wir haben die Napoleonischen Kriege überstanden, wir sindausgesogen und ausgeplündert worden, aber wir haben uns immerwieder in unverwüstlicher Lebenskraft und in zähem Schaffenemporgearbeitet. Man hat uns zerschlagen und zerstückelt, aberwir sind wieder zusammengewachsen; wenn aber das britischeWeltreich erst in die Brüche gegangen ist, dann wird es auch inJahrtausenden nicht wieder auferstehen. Und dieses England , dasmit solchem Risiko, mit solcher Gefahr behaftet ist, spricht dasfrevelhafte Wort vom Erschöpfungskrieg! Dieses England will vonden Waffen, mit denen es uns nicht zu überwältigen vermag, mitdenen es bis in die jüngste Zeit sich schwere Misserfolgc holte,an den Hunger und Bankerott appellieren! Der Appell wird ver-sagen! Wir wissen, dass wir das Nötige zum Leben und zumKämpfen haben und haben werden; wir wissen, dass trotz allerAbsperrung das Brot, die Kartoffeln und andere wichtige Dingebei uns billiger sind als in England und in Frankreich , denen dasMeer offensteht. Und der Feind soll wissen, dass wir auf jedenUeberfluss verzichten, dass wir, wenn es nötig ist, lieber jedeNot ertragen als des Feindes Gebot. Er soll aber auch wissen,dass Uns ausserdem nach wie vor unser scharfes Schwert zur