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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
Entstehung
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ich gehörte damals noch nicht dazu nicht gedacht. Abernicht nur dort, ich glaube, wenn jemand uns, wie wir hier bei-sammen sind, vor drei Jahren vorausgesagt hätte, wie die Dingekommen werden, die wenigsten von uns, vielleicht keiner, hätteneine solche Entwicklung für möglich gehalten. Keiner von unshätte für möglich gehalten, was wir jetzt erleben. Ich erinnere,

abgesehen von allem anderen an die radikale Sprengungaller völkerrechtlichen Normen, die im Laufe von mindestens einemJahrhundert langsam und mühsam aufgebaut worden sind; andie unerhörte Brutalität, mit der England die uns benachbartenneutralen Staaten einschüchtert und vergewaltigt, an den Hunger-krieg, den England nicht nur gegen uns, sondern auch gegen dieNeutralen führt, um sie seinem Willen gefügig zu machen. Nie-mand hätte es wohl für möglich gehalten, dass unser Volk undunsere Bundesgenossen gegenüber einer Welt von Feinden, gegen-über einem in der Weltgeschichte unerhörten Druck, gegenübereinem Weltaufgebot von Waffen, Wirtschaft und Finanzen, dieWiderstandsfähigkeit zeigen könnten, die wir in diesem Kriegebewiesen haben.

Ich möchte weiter behaupten, dass, wenn wir den schönstenwirtschaftlichen Mobilmachungsplan vor dem Kriege aufgestellthätten, heute davon nicht mehr allzuviel zu bemerken wäre. Wennwir auch Vorratswirtschaft im grössten Stile getrieben hätten:diese Vorräte wären weg, von diesem Getreide wäre kein Kornmehr da. Auch bei Baumwolle, Gummi und ähnlichem wäre esebenso. Ich glaube, wie der Krieg sich entwickelt hat, hätteauch der schönste wirtschaftliche Mobilmachungsplan uns nichtallzuviel geholfen.

Das beweist nicht etwa, dass wir für die Zukunft sorglos seindürfen, sondern, dass wir für die Zukunft aus den Erfahrungendieses Krieges lernen müssen. Und da möchte ich einen Ge-danken unterstreichen, der aus den Ausführungen einzelner Rednerin diesem Hause herausklang.

Eine wirtschaftliche Mobilmachung, eine wirtschaftliche Kriegs-vorbereitung haben wir gehabt, und die bestand in unserer Sozial-politik und in unserer Wirtschaftspolitik.