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Deutschlands Finanzen : Rede d. Staatssekretärs d. Reichsschatzamts Dr. Karl Helfferich <geh. im Reichstag am 14. Dez. 1915>
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Zunächst möchte ich feststelle», m welchem Maße man sich inEngland von Anfang an in den Kriegskosten verrechnet hat.Ich erinnere an das leicht hingeworfene Wort von Sir EdwardGrey vom 4. August v. I., der Krieg werde England kaum größereOpfer auferlegen, wenn es sich an ihm beteilige, als wenn es bei-seite stehe. Die englischen Staatsmänner haben sich inzwischeneines besseren belehren lassen müssen. Aber noch im Mai hat derdamalige englische Schatzkanzler die Kosten des Kriegs bis zumEnde des laufenden Etatsjahres, d.h. bis zum 31. März 1916,auf etwa 1133 Millionen Pfund geschäht. Vier Monate später da-gegen hat sein Nachfolger die Schätzung auf 1590 Millionen Pfunderhöhen müssen, und der vor kurzem von der englischen Regierungverlangte neue Kredit, der bis Mitte Februar reichen soll, alsoimmer noch nicht bis zum 31. März, bringt die Gesamtsumme derbisher angeforderten Mittel auf mehr als 1660 Millionen Pfund.

(Äört! hört!)

Die Aufbringung dieser Mittel ist für England fortgesetztschwerer geworden. Zu Anfang des Krieges spielte Lloyd George noch mit dem Gedanken, es könnte entsprechend der guten altenbritischen Tradition ein sehr erheblicher Teil der Kriegskosten durchSteuern aufgebracht werden. Er selbst hat an die NapoleonischenKriege erinnert, in denen mehr als 49 Prozent der Kriegsausgabendurch Steuern gedeckt worden seien. Aber die damals im Novembervorigen Jahres beschlossenen Steuern machten von vornherein nurwenige Prozente des Kriegsbedarss ans. Eine zweite Steuervorlageim Frühjahr 1915 kam überhaupt nicht über die Schwelle desParlaments. Eine dritte Steuervorlagc, die angeblich 199 Mil-lionen Pfund bringen soll, deren Ertrag für das lausende Jahraber nur auf 39 Millionen veranschlagt wurde, wird seit vielenWochen im englischen Unterhaus beraten. Die Verhandlungen sindnicht sehr rasch vom Fleck gekommen, und wenn diese Finanzbilljetzt in der Hauptsache Gesetz wird, so wird sie, wie heute schon fest-zustehen scheint, kaum irgend etwas zu den eigentlichen Kriegskostenbeitragen, sondern gerade genügen, vielleicht nicht einmal ganzgenügen, um das durch den Krieg verursachte Mehr an Schuld-zinsen zu decken. Die Absicht, durch Steuern einen ansehnlichen Teilder Kriegskosten zu decken, ist in England gescheitert. England kämpft heute lediglich um die Erhaltung des Gleichgewichts inseinem ordentlichen Budget. Auch das ist ein sehr schwerer Kampf,

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