Nun sahen wir uns einige Tage nicht. Endlich traf ich Georgewieder und er sagte mit der größten Bestimmtheit: «Was Siemir gaben, haben Sie geschrieben.» Ich verstand es zuerst alsFrage und sagte Ja. Da begann er dann gleich, das Gedicht seija ganz nett, ob ich mehr dichte und ob er es sehen könne.Ich versprach, ihm meine weiteren Sachen zu geben. Er fandeinige ganz gut, besonders «Ein Ziel», «Der Dolch», «DasEnde». Letzteres fand er am besten. Doch ginge ein trübdüste-rer Zug durch das ganze Buch. Er schenkte mir nun am i.Februar den dritten Band seiner Auslese deutscher Klassikerund versprach mir die andern. Einige Tage drauf sagte er, erwolle mir zur Konfirmation alle drei Bände gebunden schen-ken.
Auf meine Gedichte hin richtete er das Gedicht «Das Wunder»an mich, dessen Abschrift ich aber leider nicht besitze, dannein zweites:
Der Jünger blieb in Trauer Tag und Nacht. . .
Hinzuzufügen ist noch, daß George wie auch sein ganzer Kreisalle Worte mit Ausnahme der Verszeilenanfänge, der Namenund Beinamen klein schreibt.
Ich komme gewöhnlich Samstag nachmittags um 5 Uhr zu ihm.Am zt. II. konnte ich nicht kommen, traf ihn jedoch Sonntagmittag. Er lud mich ein, um 6 Uhr einen Maskenzug in Wolfs-kehls Wohnung anzusehen, und unterhielt sich mit mir überMasken. Schöne Masken, sagte er, sehe er immer mit großemVergnügen. Um 6 Uhr kam ich dann und hatte Gelegenheiteinen prachtvollen Zug zu bewundern. Zehn Personen bildeten
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