Am 14. III. lud er mich ein, ihn zu besuchen. Er war unver-ändert. Kurze Zeit war er inzwischen wieder hier gewesen,dann aber wieder zu seinem Verleger gereist.Am 15. III. besuchte er meine Eltern. Was geredet wurde weißich nicht, nur soviel hat er mir gesagt, daß er mich sehr gelobthabe. Als ich sagte: «Doch wohl nicht zu viel», sagte er viel-deutig: «Ganz nach Verdienst.» Am selben Tage kam Herr Gun-dolf aus Berlin, der soeben seinen Doktor in Germanistik ge-macht hatte. Auch Schriftsteller, hat einen sehr interessantenKopf, sehr ähnlich dem Hofschauspieler Kainz. George hatsich jetzt ein Häuschen gemietet, Belgradstraße 57.Mittwoch den 1. IV. besuchte ich ihn das letzte Mal vor derKonfirmation. Er sprach zu mir über meine einstweiligen Zieleund daß ich alles daransetzen müsse, um sie zu erreichen. Daserste sei jetzt für mich das Absolutorium des Gymnasiums,und um dieses zu erreichen, müsse ich alle Kräfte anspannen.Das sei ich meinen Eltern, mir und auch ihm schuldig, und nurdarauf sei unsere Freundschaft gegründet. Dann überreichte ermir drei seiner Bücher:
«Deutsche Dichtung, ausgewählt und eingeleitet von Stefan
George und Karl Wolfskehl» 1. Band «Jean Paul » 2. Band
«Goethe » 3. Band «Das Jahrhundert Goethes».
Dann versprach er mir, zu meiner Konfirmation zu kommen,
obwohl er noch nie einer solchen Feierlichkeit beigewohnt
habe und glaube, daß es ihn sehr aufregen werde.
Am 5. IV. 03 kam er auch wirklich zu meiner Konfirmation
und mit ihm Herr Gundolf.
Donnerstag den 9. IV. führte ich meine beiden Vettern Arthur
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