Druckschrift 
Nachlass / Maximilian Kronberger
Entstehung
Seite
61
Einzelbild herunterladen
 

die Gedichte meines Vetters Oskar Dietrich in Wien , dannüber die von Wilhelm Seidel. Die ersteren fand er sehr gut,besonders «Ariadnes Klage». Er sagte: «Man muß schon ausdem Rhythmus des Gedichtes unendlich viel für den gan-zen Inhalt finden.» Dann sprachen wir über das Buch mei-nes Lehrers S. Röckl; bei dieser Gelegenheit sagte er, für Bio-graphien habe er nie besondere Sympathien. Er empfinde esstets als eine gewisse Rücksichtslosigkeit, Indiskretion, wennein Mensch Sachen, die sich zwischen zwei anderen abgespielthaben und die nur für diese bestimmt seien, bekannt macht unddadurch das große Publikum als Richter einsetzt. Dann sagteer, in meinen neuesten Gedichten habe er etwas ganz Neuesgefunden, ich hätte mich von der früheren Unbehilflichkeit imAusdruck so ziemlich freigemacht und auch für den Rhyth-mus sehr viel gewonnen. Hierauf zeigte er mir das Titelbildvon Gundolfs «Fortunat», das der Bruder des Verfassers ge-zeichnet.

Ebenso ein von demselben Künstler entworfenes, bei Otto vonHolten für mich gedrucktes Exlibris, welches ich recht schönfinde. Dann gingen wir, ich begleitete ihn noch bis zur Ohm-straße. Er erzählte mir noch von dem Berliner Richard Wag-ner-Denkmal, das ihm gar nicht gefiel, und eine heitere Epi-sode, die ihm dort passierte. Er ging einmal im Tiergarten, undum nicht an dem Denkmal vorbei zu müssen, schlug er einenSeitenweg ein. Da trat ein kleiner Bursche auf ihn zu und bat,ihn zum Denkmal zu führen ! - Weiterhin zeigte ich ihm meinGedicht «Die tote Stadt » und es stellte sich heraus, daß auch erZur gleichen Zeit ein Gedicht des gleichen Namens verfaßt