habe. «Also Sie wollen schon mit mir konkurrieren», wandteer sich lächelnd zu mir.
Bei Gelegenheit der obenerwähnten Gedichte sagte er zu mir:«Ich fälle sehr ungern über die Gedichte jemands ein Urteil,den ich nicht entweder persönlich oder aus größeren Gedich-ten kenne. Denn ist das spezielle Gedicht gut geraten und ichlobe es, so wird der Verfasser leicht stolz; ist es aber schlechtund ich sage es, so wird es leicht übelgenommen oder derVerfasser wird unnötig abgeschreckt.»
Als wir vor unserem Haus waren, traf er zufällig Dr. Klages,der noch nichts von seiner Anwesenheit in München wußteund deshalb begreiflicherweise sehr überrascht war.«Ich verwerfe mythologische Stoffe nicht, das ist Sache derNaturalisten, aber ich finde sie deshalb nicht gut, weil ihnenschwer eine neue Seite abgewonnen werden kann. Denn wennein Moderner einen mythologischen Stoff behandelt, so istdieser bereits von der Antike durch Goethe gegangen undkommt als abgedroschenes Ding auf uns. Etwas anderes istes, wenn es dem Künstler gelingt, dem Stoff eine neue Seiteabzugewinnen; dann kann er ihn behandeln, denn darin be-ruht ein Hauptwesen des Gedichts . . . Unsere heutige Literar-historik ist im Hinblick auf die Ästhetik und andere Gebietenoch weit zurück. Ihr liegt z. B. bei Goethe nur daran, seineGretchens und Lilis zu finden. Wer wird bei der Malerei, dieder Dichtkunst wohl sehr nahesteht, fragen, welches Modellzu dem und dem Bild gesessen ist ? Und das ist das eigent-lich Richtige.»
Am 21. XII. traf ich beim Heimweg von der Schule George,62