Druckschrift 
Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
24
Einzelbild herunterladen
 

24

VON DER WAHL DER EHEFRAU

die vielen Stiefkinder außer dem Namen niemals etwas von Stiefmutteran ihr bemerkten.

Vor allem also, liebster Lorenzo, (ich sehe wohl, daß es auch dir so gut er-schienen) müssen die Sitten der Gattin gefallen, denn was sonst für denHausstand zu hoffen wäre, verstehe ich nicht. Als Agesilaus gefragtwurde, wie es geschehen werde, daß die Lazedämonier Sieger würden,antwortete er: Wenn der klügste Feldherr die Sache führt 40 . Dies mögenwir auf unsre Sache übertragen. Was bildet einen Hausstand, hält ihn inOrdnung, bringt ihn zu Ehren, wenn nicht vornehmlich Fleiß, Wirt-schaftlichkeit und würdige Haltung der Gattin? Wie der Fürst dieBürger nicht gut lenken wird, wenn er nicht im öffentlichen Recht, in denBräuchen der Vorfahren, kurz im Staatswesen ganz erfahren ist, undkein Steuermann sein Schiff aus wildem Sturm in den Hafen heimführt,ist er der Kunst der Seefahrt nicht mächtig, noch ein des Rennens un-kundiger Wagenlenker mit dem Kranz beschenkt wird; so wird es mitdem Heimwesen nicht recht stehen, wenn nicht die Trefflichkeit derHausmutter den übrigen das eine Vorbild gibt. Und wie im Kriege dieSoldaten, die den besten Führer besitzen, den angewiesenen Posten imStich zu lassen erröten, so verlassen die Knechte und Mägde nicht denTeil des Haushalts, mit dessen Hut eine züchtige und kluge Hausfrau siebetreut hat.

Piaton, der ehrwürdigste Weisheitslehrer, bestimmt in den Büchern, dieer in göttlicher Eingebung über den Staat schrieb: Den vorzüglichenBürgern, nicht den ehrgeizigen sollen die Ämter überlassen werden. Ersah nämlich voraus, daß binnen kurzem ganz wenige um die Entschei-dung streiten würden, wenn mit dem Adel des Kranzes nicht die Wohl-verdienten beschenkt würden, sondern begehrliche Faustkämpfer. Daherschlug er selbst einen öffentlichen Sold für die Beamteten vor, damit sienicht durch die häusliche Schädigung vom Dienst am Gemeinwesen ab-gezogen würden 41 . Derart werden wir bei der Gattin Klugheit so hochwerten, daß wir, wenn es unsre Güter erlauben, das Geld der Frau außeracht lassen, oder darüber hinaus ihrer Dürftigkeit etwas beisteuern, umso des Hauses Ehre und Frieden zu gewinnen. Eben dies bringt unswahrhaftig größeren Ruhm, als wenn die Gattin durch Versippung undGold ansehnlich, dabei des Guten bar ist.