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Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
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II VON WELCHEM ALTER

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Als eine Frau aus Jonien prahlerisch ihre Reichtümer und Kleinodien sehenHeß, sagte ihr die Gattin des Phocion: Meine Kleinodien, mein Reichtumist Phocion, durch seine Verdienste ums Vaterland schon zwanzig Jahreder erste der Athener 42 . Ebenso werden wir uns der Würde unserer Frauenrühmen dürfen und die sich selbst überlassen, die von Schätzen und Land-besitz der Gattin bereichert zahllosen Beschwernissen ausgesetzt sind.Dies ist hinfällig, jenes andere fest und beständig und kettet den Sinn derGatten wahrhaft aneinander. Philipp, Alexanders Vater, den Theophrastan Glück und Kraft den ersten König nennt, gewann eine thessalischeFrau erstaunlich Heb, so sehr, daß man ihn durch ihre Zaubermittel be-sessen sagte. Deshalb wandte Olympias die größte Sorgfalt darauf, dieseThessaHerin in ihre Gewalt zu bekommen; als sie sie aber mit Schönheit,Zucht und Sitten geschmückt fand, sagte sie: Fort mit den Bezichtigungen!Den Liebeszauber trägst du bei dir und mit der Verlockung deines red-Hchen Wesens sind die Tränke gewürzt 43 . Wozu mehr ? Eine edel ge-artete Frau werden wir nehmen und ihre HäusHchkeit, verbunden mitEhre, Vorteil und Lust, soU von uns geehrt, geschätzt und geHebt werden.

II VON WELCHEM ALTER

NACHDEM ALSO GESPROCHEN IST VON DEN SITTEN DERFrau, die sie bei richtiger Erziehung sich leicht angeeignet haben kannoder sich aneignen wird, werde ich jetzt über das Alter mit wenigem dar-legen, was von meinem Zacharias und vielen gelehrten Männern über-Hefert oder durch Erfahrung gelehrt ist. Doch zuvor glaube ich, daranmahnen zu müssen, daß eine Jungfrau, nicht eine Witwe, ein Mädchen,nicht ein älteres gewählt werde, denn, was nötig und dienlich ist, wirdeine solche leichter lernen, und wenn sich etwa einmal Fehler festsetzen,werden sie schneüer ausgemerzt, denn weichem Wachs drücken wirleicht das Bild ein, im hart und fest gewordenen können wir die Ein-drücke kaum tilgen. Den noch zarten Sinn mögen wir durch Lehren nachWunsch bilden 44 ; Witwen, die an eigene Sitte oder gar an fremde ge-wöhnt sind, zu unserer Gewohnheit herüberzuziehn, kann mit viel Geist,angestrengtem Fleiß und besonderer Sorgfalt kaum erreicht werden.Denn wer kann hoffen, gleich anfangs krumme Reben später, wenn sie