Druckschrift 
Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
23
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I WIE DIE EHEFRAU GEARTET SEIN SOLL

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von, wie es heißt, besonderer Sittsamkeit, da die hervorragende Ergeben-heit seiner Söhne in ihm täglich den Wunsch gemehrt hatte, nochweitere 2u erzeugen. Durch das Urteil des Marcus Cato ein gewich-tigeres kann es nicht geben und des Pisistratus wird deutlich, wie hochwir die Sitten halten sollen.

Auch reich an Beispielen dieser Art ist unsre Bürgerschaft; wenigedaraus aufzuzählen wird genügen. Andrea Barbaro, unsres ausgezeich-neten Marco 39 Vater, ein sehr wohlhabender Bürger und ehrenreichstenStandes, nahm Lucia Viara zum Weib, deren bewährte und ihm bekannteRechtschaffenheit bewirkte, daß er sie unter Beiziehung von Verwandten,die geeignet schienen, zu Hause aufsuchte. Er selbst spricht die Worte,sofern es ihr nicht anders recht schiene, würde ihm die Heirat mit ihrgenehm sein, auch wenn die Geldfrage nicht berücksichtigt würde. Sonahm er sie, den Reichtum anderer verschmähend, wegen ihrer Ge-sittung und guten Art zum Weibe an. Und hierin trog den klugen Mannsein Urteil durchaus nicht, denn sie zog so sorgender Liebe ihre Stief-söhne auf, daß man keine geruhigere und ungetrübtere Häuslichkeitfinden konnte. Diesen Barbaro, meinen Verwandten, ahmte viele Jahrespäter Giusto Contarini nach, ein höchst angesehener und hervorragen-der Bürger. Als er von der Sittsamkeit, Zucht und ausnehmenden Schön-heit der Francesca, Tochter des Pantaleone Barbo, erfuhr, spricht er ohneZeugen von sich aus den Vater an und erklärt, daß er an seiner Tochtermehr und mehr Gefallen gefunden hätte und daß er sie auch ohne Besitzmit höchstem Eifer zur Gattin wünsche, falls es ihm nicht ungenehm sei.Darüber freute sich Pantaleon, ein Mann, der nicht nur durch berühmteFamilie, sondern auch durch vorzügliche Gelehrsamkeit ausgezeichnetwar. Er verlangt Bedenkzeit, versammelt der Sitte gemäß zahlreiche Ver-wandte, legt ihnen den ganzen Fall vor und, was von gutem Glückegesegnet war: der schon bejahrte Giusto wird mit aller Stimmen derJungfrau aus edelstem Geblüte freilich bei kleiner Mitgift für würdig er-klärt, denn so forderten es die Mittel des Hauses. Glücklich muß ichdiese Ehe nennen, die durch den Glanz der Tugend begehrt und voll-zogen in höchster Treue und Eintracht unverletzt blieb; denn, um andieser Stelle hier weiteres Lob zu übergehen, sie behandelte die Kinderder ersten Frau so menschlich, so hochherzig, daß im täglichen Umgang