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Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
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VON DER WAHL DER EHEFRAU

Wettkämpfer der Vergangenheit, sondern weil er die Faustkämpfer dereigenen Zeit an Tüchtigkeit übertroffen habe 37 . So werden wir, obwohlunserm Zeitalter eine Porcia, eine Cornelia, eine Panthea, die Leuchtendes Frauenruhmes nicht vergönnt wurden, wenn wir sorgsam sind, in Er-fahrung bringen, welche Frau uns zu Zier, Nutz und Ergötzen seinkönnte. Auf welche Weise solches aufzuspüren sein mag, ist ja nichtschwierig zu erforschen.

Der gewesene Consul und Censor Marcus Cato nahm schon betagt eineJungfrau zum Weibe; seinen Ratschluß möchte ich ausführlicher wieder-geben, weil ich bei seiner Erzählung, die ich griechischen Schriftdenk-malen entnommen habe, wie in fröhlichem Zeitvertreib ausruhe. MarcusCato also, schon in sehr hohem Alter, erblickte oftmals die Tochter seinesKlienten Salonius und fand an ihrer Art und Anlage ein wundersames Ge-fallen. Eines Tages begleitete der Schreiber Salonius wie gewöhnlich denCato nach dem Forum. Unterwegs sagte Cato: Salonius, ich habe fürdeine Tochter einen Mann gefunden; wenn nicht sein vorgerücktesAlter im Wege steht, weiß ich, wird alles an ihm deine Billigung finden.Nach Worten, wie man sie in solchen Fällen bei der ersten Zusammen-kunft zu wechseln pflegt, bekennt Cato sich als jener Greis und ver-spricht, die Tochter des andern, soweit es an ihm hege, als Gattin anzu-nehmen. Hierüber wundert sich Salonius , daß die Tugend seiner Tochterbei Cato soviel Gewicht gehabt habe, daß er sie, die doch von niedrigsterHerkunft sei, in eine Sippe einführen wolle, die durch die Ahnenbildervon Consularen und Triumphatoren aufs höchste geehrt sei. Kurz undgut, er verlobt die Tochter. Schwer trug das Marcus Cato , der Sohnder beste Mann, wenn wir dem Vater glauben, und von hervorragenderKindesliebe und erbittet sich Verzeihung, falls er sich dem Vatergegenüber etwas zuschulden hätte kommen lassen, dessentwegen ihmdieser eine Stiefmutter ins Haus brächte. Der aber lobte ihn erst und gabdann zur Antwort, die Sitten dieses Mädchens hätten ihm gar zu gutgefallen. «Auch glaube, liebster Sohn, es sei geschehen, nicht um dir eineStiefmutter ins Haus zu bringen, sondern um noch viele Söhne deines-gleichen zu bekommen und dem Staat die besten Bürger zu hinterlassen 38 .»Aus solcher Überlegung heiratete Pisistratus, als seine Söhne schon heran-gewachsen und in den schönen Künsten unterrichtet waren, eine Frau