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VON DER WAHL DER EHEFRAU
Reiches, Claudius Nero, zwang dem Senat einen Beschluß ab, durch dener die Ehe zwischen Oheim und Nichte für rechtmäßig erklärte, um seineUnbeherrschtheit und entfesselte Sinnlichkeit durch die Würde des Staateszu decken. Niemand jedoch in diesem ganzen Stande ward gefunden,der sich mit diesem Verbrechen beflecken wollte, außer dem einenT. Alledius Severus, einem römischen Ritter, von dem aber manche gewißnicht unritterliche Gewährsmänner überliefern, er sei der Agrippinazulieb dazu getrieben worden 68 .
Daher wollen wir vornehme Frauen nehmen, wie es von dir, Lorenzo,aufs beste gehalten wurde, daß unsre Gemeinschaft annehmlicher werdeund wir von Natur und Erziehung edlere Kinder bekommen, die wir,durch Vorbild des Hauses zum Ruhm emporgerichtet, gehäufter mitEhre und Macht wappnen. Des eingedenk, woher sie entsprossen,werden sie wachsam sein und immer darauf sehen, daß sie die Würde, diesie nicht vom Vater allein, sondern auch von der Mutter empfingen, denNachkommen wie ein Erbgut treu und unversehrt weitergeben.
IV VON WELCHER GESTALT
HIER HABEN WIR NUN DEN TEIL ZU BEGINNEN, VON DEMdiejenigen den Anfang ihrer Ratschläge zu nehmen pflegen, die jenesVorhergehende auslassen. Denn es folgt jetzt, daß wir über die Schönheitsprechen, die nach vieler Belieben vor allem in der Größe des Körpers,der Zier der Haare, der Augen, des Antlitzes, des Halses und der Händebesteht. Frauen kleinen Wuchses, auch wenn die übrige Körperbildungsich dem anpaßt, sind nach meinem Dafürhalten geeigneter zum Dienstder Kebse als der Gattin; sie scheinen sich nämlich eher der Wollust zubequemen als der Würde der Kindererzeugung. Deshalb bestraften zuSparta die Ephoren den König Archidamus, als er eine Frau von ge-ringer Größe genommen hatte, mit einer schweren Geldbuße, weil er nurKinder 67 und nicht Könige zu hinterlassen dächte. Aber damit bei denübrigen Punkten die Rede nicht zu weitschweifig werde: in den Haarenliegt beim Menschen solche Anmut, daß es Homer genügt, oftmals seineHelena einzig von dieser Zierde ihres Haares als schön zu bezeichnen.Hat nicht auch unser Maro bei der Beschreibung des weisen Mannes, um