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Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
35
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V MIT WELCHEM REICHTUM

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Lobes wert und keines Gedenkens. Dies zeigt unverhüllt der höchsteWeise und Seher Homer, bei dem Nireus Achilles lediglich ausge-nommen, der Schönste aller Griechen, nachdem einmal von ihm ge-sungen ist, er sei mit den anderen nach Aulis gekommen 75 , hinfortnirgends mehr erwähnt wird. Sicherlich brachte er nach Troja keinenTeil jenes Heldentums, dem der Ruhm als Lohn zu eigen ist, womitHomer jene Halbgötter für die Ewigkeit zu beschenken sich vorsetzte..Doch nicht nur den Ehefrauen, auch nicht einmal den Buhlerinnen ver-mag das Äußere allein die Gunst zu verbürgen. Bei dieser Gelegenheitkommt mir Philipp, ein Paduaner, in den Sinn. Dieser war der Sohneines wohlhabenden Vaters von nicht unedler Herkunft und sterblichverhebt in eine Buhlerin von ausnehmender Schönheit, aus deren Liebes-banden er durch Macht und Freundlichkeit des Vaters nicht loszureißenwar. Als dies der Vater merkte, beschloß er mit großer Gefahr seinesRufes, den Sohn, der an so schwerer Krankheit litt, zu heilen. Er kauftjene feile, der Venus geweihte Dirne los, hält sie zu Hause bei seinemSohn; man schläft des Nachts zusammen, und einige Tage lang genießtder verlorene Jüngling jenen Sinnenkitzel, von dem er sich eingeredet,daß er das höchste und einzige Gut sei. Bald danach, sobald die Begierdurch Sättigung verraucht war und ihn durch die allzu freie Gelegenheitder Überdruß faßte, verschmähte der Jüngling, was er an ihr so sehr zuheben gewohnt war; er wird allmählich gesund und ist durch die Kur desVaters von der tölpelhaften und rasenden Gemütskrankheit befreit. Wassollen wir da denken, das aus der Gattin werden wird, wenn die bloßeSchönheit fesselte, wo Würde und Gemeinsamkeit des Lebens hätte ver-binden sollen? Doch was untersuche ich weidäufig dies so lange, wieeine dunkle Sache ? Schöne Gattinnen werden wir wählen, sofern sie inallem übrigen dem entsprechen, so daß die Heirat für uns erfreulich ist,für die Unseren ehrenvoll und angemessen.

V MIT WELCHEM REICHTUM

ÜBER SITTEN, ALTER, AHNENSCHAFT UND GESTALT HABEich, scheint mir, einigermaßen gesprochen. Anschließend werden wirnun, wie es unser Vorsatz war, über den Reichtum, den noch übrigen