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Teil der Gattenwahl, weniges sagen, was hierbei nicht unnütz erschien.Da wir also allem dem nachgehen, was zur Zierde und Auszeichnung derEhe, zur Bequemlichkeit des Lebens, zu Gütern, Vermögen und Mittelngehört, so ist mit Sorgfalt auf Würde und Nutzen zu achten. DerenFrüchte sind: Dankbarkeit, Freigebigkeit und Hochsinn, bei denen aller-dings der größte Glanz der Tugend liegt. Mögen wir auch nach demWillen unseres Herzens noch so dankbar, wohltätig und gebefreudigsein, so werden wir doch ganz wie Feldherren, Redner und Ärzte großenLobes nicht wert erscheinen, wenn wir unsere Gefühle nicht durch dieTat beweisen.
Darum ist Besitz zu vielem äußerst nützlich. Denn so steht uns frei, jeg-lichem nach Würdigkeit zu spenden, und wir können den Nächsten unduns durch Neigung besonders Verbundenen soviel wie möglich zu-wenden, wodurch wir unsere Kinder mit Besitz, Hilfe und Dankbarkeitderer ausstatten, gegen die wir freigebig waren. Denn in den Söhnenwerden die Eltern geachtet und geliebt. Auch darf keine Pflicht ehr-würdiger erscheinen als die, Dank zu erstatten. Wer es daran willendichfehlen läßt, der muß notwendig gegen Gott den Unsterblichen selbst,gegen das Vaterland, die Eltern, Freunde und Wohltäter untreu sein.Gegen alle endlich vergeht er sich, denen er, durch Wohltaten verbunden,weder Dank weiß noch abstattet 76 . Vortrefflich werden daher nach denGesetzen der Perser die Undankbaren von den härtesten Strafen ge-troffen. Denn wie Herodot berichtet, ist das größte Laster bei ihnen dasLügen, das nächste aber das Schuldigbleiben. Warum auch nicht? MitRecht sind sie überzeugt, daß, wer sich nicht schämt, in der Schuld einesanderen zu bleiben, auch oft und in vielen Stücken wider die Pflichteines guten Mannes fehlt und trügt und daß er immer wieder lügt 77 .Besitz müssen wir daher auf solche Weise hochschätzen. Ist er für unsselbst weniger nötig, so steht uns weithin der ehrenvollste Gebrauchgegen Freunde und gegen das ganze Menschengeschlecht offen. Alexanderschickte Phocion, dem großen Manne, viele Pfunde Goldes als Geschenkzu; der sittenstrenge und höchst standhafte Mann wies die Gabe zurück,weil er dieses Geld nicht brauche. Daher fragte man ihn, ob er nie-manden hätte, den ihm Gemeinschaft ehrenvollster Bestrebungen undÄhnlichkeit des Lebens verbunden habe; daß er diesem gegenüber sich