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Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
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V MIT WELCHEM REICHTUM

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wohltätig und freigebig erzeige, sei doch nur recht und billig. Doch wasdu, Phocion, über dich bestimmst, magst du zusehen. Dem Alexanderreichen kaum die unglaublichen Schätze des Darius aus, indes er demWohlstand derer, deren Heil und Würde ihm teuer ist, hochherzig auf-hilft 78 . Das wird auch die beste Unterstützung für die Söhne sein, daßdie edlen Jünglinge was als Wichtigstes gelten muß in erlesenenWissenschaften und Künsten unterrichtet und erzogen werden können 79 .Mit solchen Dingen versehen sollen sie ihren hochansehnlichen Elternwürdige Kinder sein und ihre Vorfahren berühmter machen. Da dies soist, muß man sorgfältig dem Vermögen Rechnung tragen, damit manuns nicht nachsagt, wir seien den Unsern mißgünstig und wären aufunseren Nutz und Glanz bedacht gewesen. So wie wir übrigens dieMischung von Wasser und Wein doch Wein nennen, mag auch der An-teil des Wassers größer sein als der des Weins, so werden wir Reich-tümer und Vorräte die des Mannes, nicht der Gattin nennen, auch wenndie Frau mehr und Ansehnlicheres zugebracht hat. Doch möchte ichmeinen, komme es darauf nicht an, wer mehr beigesteuert hat, sondernwer den Hausbesitz gemehrt hat. Wie es zudem nach dem Dafürhaltender Ärzte zu unserem Wohlbefinden nötig ist, daß die Säfte durch alleTeile des Körpers sich verbreiten, ebenso raten wir denen, die durch Ver-mählung sich verbinden, nicht nur das Geld, von dem wir jetzt sprechen,sondern auch ihre Herzen, ihre Freunde und Verwandten als einandergemeinsam zu vermischen. Deshalb ist in den römischen Gesetzen löblichbestimmt, daß Mann und Frau gegenseitig keinerlei Geschenke an-nehmen sollten, auf daß sie nichts als eigen, im übrigen alles als gemein-sam betrachteten, damit das Hauswesen mit um so größerer Sorgfalt,Eifer und Treue besorgt werde. Des Dion Wort zu Dionys ist wahr:Jeder Mann ist in eigener Sache eifriger als in fremder 80 . Daher pflegtman verständigerweise die Fürsten zu mahnen, sie sollten sich zu Gemüteführen, die Städte seien ihre Häuser, die Bürger ihre Söhne und sie selbstdie Hausväter, auf daß sie mit Fürsorge, Rat, Fleiß und Wachsamkeit andas Heil und Wohlergehen der Untergebenen denken und sie so glück-lich wie möglich wünschen. Doch darüber soweit.

Ich wollte, unser Leben wäre in eine Zeit gefallen, in der die Jugend eherlernen als verlernen müßte, auf Besitz und Geld im Ehestand großen