Druckschrift 
Das Buch von der Ehe / Francesco Barbaro.
(Deutsch von Percy Gothein)
Entstehung
Seite
38
Einzelbild herunterladen
 

3§

VON DER WAHL DER EHEFRAU

Wert zu legen, dann würde in der Tat die Gesellschaft der Menschen undihre Verbindung aufs beste gewahrt. Aber die meisten sind schon vonKind auf von eitler Hoffnung auf Gewinn so angesteckt und aufgezogen,daß sie soviel sie es mit angestrengtester Mühe und Not schaffenkönnen nichts unterlassen, wovon sie glauben, es diene ihrer knech-tischen Habgier. Deshalb habe ich mir vorgenommen, die Jugend unsererZeit nicht anzureizen und zu entflammen, daß sie bei der Gattin Reich-tum besonders hoch einschätze, sondern sie eher zu ermahnen, daß siesofern es ihr Vermögen erlaubt diese Sache zu allerletzt erwäge, sowieauch ich darüber geschrieben habe. Ich fürchte, daß ich den meistenlästig falle, doch muß gesagt werden, was ich denke. Nicht genug kannich diejenigen tadeln, die je reicher sie sind sich mit Fleiß solcheFrauen aussuchen, die zu allem eher taugen als den Pflichten einerGattin. Denn wie uns mit Gold und Perlen verzierte Spiegel zu nichtsnutz sind, wenn sie nicht das Bild möglichst ähnlich wiedergeben, sohalte ich den Reichtum der Frau durchaus für unnütz, wenn sie nicht dasBild der Haltung ihres Gatten durch Lenksamkeit des Sinnes wider-spiegelt 81 . Alexander wird gelobt, weil er, wie einige berichten, die Bar-sine, mit der er den Hercules zeugte, die Tochter des aus königlichemStamm gebürtigen Artabazes, ein sittsames, in griechischer Bildung er-zogenes, wenngleich armes Mädchen zur Frau nahm, während er dieVermählung mit der Tochter des Darius und eine unendliche MengeGoldes hochsinnig verschmähte 82 . Man findet viele, Fürsten wie Bürger,die neben anderem auch in der Verachtung des Geldes der Frau großwaren und galten. Wie von ihrem Ruhme strahlt von Sternen die Ge-schichte; aber jene Obenerwähnten können sich nie ersättigen an Gütern,Landhäusern und kostbarem Hausrat; um bei vielen Schätzen doch armzu sein, erstreben sie eine reichere, nicht eine würdigere Heirat. Wie aberStümper in der Reitkunst Pferde um blanker Zügel willen besondershoch schätzen, Unerfahrene im Kriegswesen Helme wegen ihres Goldes,Leute ohne Bildung verderbte Bücher wegen ihrer prunkvollen Buckel,nicht aber weil sie brauchbar, dauerhaft und zuverlässig wären, so wün-schen die meisten Menschen Gattinnen mit vollem Geldkasten, die meinhochgelehrter und liebster Guarino mit Recht hoffärtigen Gräbern zuvergleichen pflegt. Obschon bei ihnen ein glänzendes Äußere sich mit